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  1. Einleitung
  2. Menschenrechte und Nationalsozialismus
  3. Universalität und Gleichheitsanspruch
  4. Menschenrechtsbildung und Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus – ein Paradox?
  5. Opferperspektive einnehmen – ein erster Schritt zum Schutz der Menschenrechte
  6. Menschenrechte als Orientierungsmaßstab
  7. Eckpunkte der Menschenrechtsbildung
  8. Menschenrechtliche Impulse in der pädagogischen Arbeit gegen rechts (Teil 1)
  9. Menschenrechtliche Impulse in der pädagogischen Arbeit gegen rechts (Teil 2)

 

Menschenrechtsbildung im Kontext von Rechtsextremismusprävention

Anne Thiemann

Menschenrechte sind der Kontrapunkt zu den Verbrechen und der menschenverachtenden Ideologie der Nationalsozialisten. Historisch gesehen sind die Menschenrechte eine Reaktion auf die Verbrechen im Nationalsozialismus.14 Ihnen liegt die Frage zugrunde, wie es möglich sein kann, Menschen – und zwar allen Menschen – ein gutes Leben frei von staatlicher Willkür und Gewalt, von Furcht und Not zu ermöglichen, und was es bedarf, um dieses zu schützen. Damit formulieren Menschenrechte eine Vision des gleichberechtigten Miteinanders. Mit diesem Bild sind sie ein Kontrapunkt auch zur aktuellen rechten Bewegung, zu deren Gewalt und Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen.

Mit dem vorliegenden Heft empfehlen wir Filme zur pädagogischen Auseinandersetzung mit aktuellem Rechtsextremismus. In diesem Artikel wird der Frage nachgegangen, inwiefern Menschenrechtsbildung hierfür eine sinnvolle und aus unserer Sicht unabdingbare Perspektive ist, oder sein sollte. Damit betreten wir Neuland. Es gibt bislang wenige Erfahrungen, wie Menschenrechtsbildung konkreter mit der pädagogischen Arbeit gegen Rechtsextremismus zusammengedacht werden kann. Insofern wird der folgende Artikel versuchen, eine Annäherung an die aufgeworfene Fragestellung zu ermöglichen bzw. die Bereiche Menschenrechtsbildung, Rechtsextremismusprävention und die Arbeit mit Film zusammenzubringen.

Zunächst wenden wir uns der Geschichte zu und fragen, inwiefern Menschenrechte wie wir sie heute kennen, bereits in ihrer Entstehungsgeschichte mit dem Nationalsozialismus verbunden sind. In diesem Zusammenhang wird der Schutz vor Diskriminierung als ganz zentrales Anliegen der Menschenrechte herausgestellt. Dieser Schutz wird in allen in dieser Broschüre empfohlenen Filmen im Kontext rechter Ideologien und Gewalt thematisch berührt und meist massiv verletzt. Aus pädagogischer Sicht schließt sich die Frage an, inwieweit durch Filme, in denen die Verletzung von Menschenrechten gezeigt werden, dennoch über Menschenrechte gelernt werden kann, oder ob dies ein Widerspruch in sich selbst ist. Auf diese Frage versuchen wir zwei Antworten zu formulieren, um abschließend bereits bestehende menschenrechtliche Impulse in der Rechtsextremismusprävention zu skizzieren.