Universalität und Gleichheitsanspruch

Den Menschenrechten liegt ein universeller Anspruch zugrunde, der auf dem Respekt vor der gleichen Würde jedes einzelnen Menschen basiert. Artikel 1 der AEMR lautet: »Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« Kürzer lässt sich die Kernbotschaft der Menschenrechte nicht zusammenfassen. Gleiche Rechte für alle oder keine!

Daraus folgt dann in Artikel 2 unmittelbar der Schutz vor Diskriminierung, mit dem ein deutliches Gegengewicht zu menschenverachtenden Ungleichheitsideologien gesetzt wird. Der Artikel schreibt fest, dass alle Rechte innerhalb der AEMR allen Menschen ohne Unterschied zukommen müssen und benennt eine Liste möglicher Diskriminierungsmerkmale, gegen die diese Rechte zu verteidigen seien. Auch dieser Merkmalskatalog ist keinesfalls zufällig, sondern aus der historischen Situation heraus zu verstehen. Die Tatsache, dass »Rasse« an erster Stelle genannt wird, beruht auf der entschiedenen Zurückweisung rassistischer Diskriminierung, und auch die folgenden Merkmale wie Sprache, Religion, politische Überzeugung sind eine Reaktion auf die nationalsozialistische Diskriminierungs- und Vernichtungspolitik (vgl. Huhle). Allerdings werden in der Aufzählung nicht alle Opfergruppen der Nazis mit einbezogen. Die Nicht-Benennung von Menschen beispielsweise mit Behinderung, wie auch von Lesben und Schwulen, zeugt von der historischen Tabuisierung dieser Gruppen zum damaligen Zeitpunkt und dementsprechend fehlender Lobby bei den Vereinten Nationen. Erst nach jahrelangen weltweiten Kämpfen von Lesben-, Schwulen- und Behindertenselbstorganisationen fanden diese zu einem viel späteren Zeitpunkt Gehör im Menschenrechtsdiskurs. Menschenrechte sind somit als fortlaufende »unabgeschlossene Lerngeschichte« zu begreifen (vgl. Bielefeldt). Sie sind so formuliert, dass sie Spielraum für Entwicklung und Interpretation lassen.

So ist beispielsweise die Auseinandersetzung um das Recht auf freie Meinungsäußerung (Artikel 19) bis heute sehr aktuell. Schon in der Menschenrechtskommission wurden mögliche Beschränkungen dieses Rechts lebhaft diskutiert und zeitweise Einschränkungen von kommunistischen und antifaschistischen Delegierten befürwortet, wenn das Recht auf freie Meinungsäußerung für die Verbreitung faschistischen Gedankenguts missbraucht würde. Heute werden in vielen Ländern Debatten um »Hate Speech«, Verbot der »Holocaust-Lüge« und allgemein »Grenzen der Redefreiheit für Feinde der Freiheit« juristisch und politisch geführt. Der Film Das braune Chamäleon greift in diesem Zusammenhang die Diskussion rund um rechte Symbolik an Kleidung und Styling auf.