Menschenrechtsbildung und Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus – ein Paradox?

Menschenrechten liegt ein universeller Anspruch auf Gleichheit, Gleichwertigkeit und gleichen Rechten für alle Menschen zugrunde. Diesem Ziel soll über die Umsetzung von konkreten Rechten und über die Schaffung einer »Kultur der Menschenrechte« (UNESCO) nähergekommen werden. Dabei steht die Auseinandersetzung mit Diskriminierung, und damit mit Rassismus und anderen menschenverachtenden Ideologien, im Zentrum von Konzepten der Menschenrechtsbildung. Es geht um die Bewältigung von Alltagskonflikten ebenso wie um die Sensibilisierung für Ungleichbehandlung auf politischer, rechtlicher und institutioneller Ebene, um die Ethnisierung sozialer Probleme, wie auch um offen ausgesprochene oder schnell mobilisierbare rassistische und rechtsextreme Haltungen.

Die in dieser Handreichung empfohlenen Filme erzählen Geschichten, in denen Menschenrechte massiv verletzt werden. Wenn Neonazis Menschen umbringen, weil sie aus ihrer Sicht »weniger wert« sind, widerspricht nicht nur die Tat, sondern auch die zugrundeliegende Überzeugung, dass Menschen unterschiedlich viel Wert haben, zutiefst dem Kernanliegen der Menschenrechte.

Dies wirft grundsätzlich die Frage auf, ob eine Sensibilisierung für Menschenrechte im pädagogischen Kontext überhaupt »funktionieren« kann, wenn die Negation dieser Rechte oder deren brachiale Außerkraftsetzung filmisch dargestellt ist, beispielsweise durch rassistisch motivierte Übergriffe, wie im Film Kriegerin. Anders gesagt: Wie soll es für Lehrkräfte möglich sein, glaubhaft zu vermitteln, dass Menschenrechte wichtig sind, wenn im Film das Gegenteil gezeigt wird. Dieser Widerspruch bzw. die damit verbundene Frage nach der Sinnhaftigkeit ist nicht neu. Sie wird im pädagogischen Kontext auch im Zusammenhang mit der Erziehung nach Auschwitz diskutiert und aufgeworfen, wenn Nationalsozialismus und Holocaust als Lernfelder für die Menschenrechte beansprucht werden (vgl. Hormel/Scherr). In der Praxis und in Fachdiskursen gibt es hierzu keine einfachen und keine generellen Antworten. Lehrkräfte stehen vor der Herausforderung, dieses Paradox reflexiv einzuholen und damit so zu arbeiten, dass Menschenrechte anerkannt und wertgeschätzt werden, und es Aufgabe jeder/s Einzelnen ist, auf deren Umsetzung zu achten. Für das vorliegende Filmheft nehmen wir eine spezifische Perspektive ein, die auf das geschilderte didaktische Problem eine mögliche Antwort gibt.