Eckpunkte der Menschenrechtsbildung

»Das Gewissen«, hatte Hitler in »Mein Kampf« geschrieben, sei eine »jüdische Erfindung«, eine für Herrenmenschen unbrauchbare Kategorie. Und weiter: »Nein, es gibt nur ein heiligstes Menschenrecht, und dieses Menschenrecht ist zugleich die heiligste Verpflichtung, nämlich dafür zu sorgen, dass das Blut rein erhalten bleibt […]«. Rainer Huhle sieht in dieser bewussten und radikalen Negation der Menschenrechte durch Hitler den Gegensatz von Barbarei und Menschlichkeit auf seine einfachste Formel gebracht, an der jede Menschenrechtsbildung ihren Ausgang nimmt (vgl. Huhle 2012).

Die Anerkennung der Heterogenität von Menschen, ihre Gleichwertigkeit und der Schutz vor Diskriminierung müssen zentraler Bestandteil jeder menschenrechtsbasierten Pädagogik sein. Die Umsetzung der Menschenrechte ist nur möglich, wenn sie auf breiter Ebene in gesellschaftlichen Lernprozessen von der Bevölkerung mitgetragen wird. Daher war die Entwicklung der Menschenrechte von Beginn an auch ein pädagogisches Projekt und die verpflichtende Bildung über Menschenrechte Bestandteil zahlreicher Abkommen, wie z.B. der Anti-Rassismus-Konvention, der Kinderrechtskonvention und der Behindertenrechts-konvention.

Menschenrechte müssen vermittelt und gelernt werden, wenn sie geachtet und wirksam werden sollen. Menschen können ihre Rechte und die anderer nur dann einfordern, wenn sie diese kennen und ihre Bedeutung verstehen gelernt haben. Eines der zentralen Bildungsziele liegt in der »Vermeidung und Prävention von rassistischen, diskriminierenden und anderen benachteiligenden und gewaltnahen Einstellungen, Haltungen und Verhaltensformen« (UNESCO).

Menschenrechtsbildung wird dabei weitgehend als handlungsorientierter, auf die Verwirklichung der Menschenrechte ausgerichteter Lernprozess verstanden, der sich auf drei Ebenen vollzieht: Lernen über Menschenrechte (Wissen und Verstehen), Lernen durch Menschenrechte (Einstellungen, Haltungen und Werte) und Lernen für Menschenrechte (Kompetenzen, Fertigkeiten).

»Menschenrechtserziehung gehört zum Kernbereich des Bildungs- und Erziehungsauftrages von Schule […]«, so postuliert die deutsche Kultusministerkonferenz im Jahr 2000, allerdings ohne nennenswerte Resonanz. In schulischen Curricula, in Schulbüchern und in der Lehrer/innen-Aus- und –fortbildung ist Menschenrechtsbildung in Deutschland bislang nur marginal verankert. Ein Versäumnis, das bei den Vertragsausschüssen der Vereinten Nationen (z.B. UN-Ausschuss zur Kinderrechtskonvention), welche die Umsetzung der Menschenrechte in den einzelnen Ländern begleiten und vorantreiben, seit Jahren kritisiert wird. Dies ist gerade auch im Kontext der jahrelang geleugneten Tatsache, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, von hoher Bedeutung.