Menschenrechtliche Impulse in der pädagogischen Arbeit gegen rechts

Die Anschlussfähigkeit rechten Gedankenguts an die Diskurse der Mitte der Gesellschaft, lässt darauf schließen, dass es in allen Klassen- (und auch Lehrer-) Zimmern Menschen gibt, die bereits Berührungspunkte mit einer der vielfältigen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus hatten. Dem muss in der pädagogischen Praxis langfristig, kontinuierlich und konsequent begegnet werden, und nicht, wie es häufig passiert, lediglich situativ als Reaktion auf rechte Übergriffe. Zielgruppe sollten dabei alle Schüler/innen sein. Viele Jugendliche erproben Einstellungen und Haltungen und schwanken deshalb stärker als Erwachsene zwischen rigiden Denkstereotypen und offeneren, liberaleren Einstellungen, welche demokratische Züge beinhalten, aber Vorurteile gegenüber Minderheitengruppen nicht ausschließen.

Unter Bildungsarbeiter/innen besteht Einigkeit darüber, dass der »Kern« rechtsextremer Täter/innen und Unterstützer/innen über politische Bildung kaum erreicht werden kann. In der Schule kann beobachtet werden, dass diese gezielt weghören und an Veranstaltungen außerschulischer Bildungsarbeit – außer zu agitieren – nicht freiwillig teilnehmen. Allerdings sehen Glaser/Johansson in Kooperationsprojekten zwischen Schule und außerschulischer Bildung durchaus ein Potenzial zur Arbeit mit rechtsorientierten Jugendlichen, das bislang zu wenig genutzt wird (vgl. Glaser/Johansson 2012). In den letzten Jahren wurden in einer Vielzahl von Projekten zu Rechtsextremismus und Rassismus handlungsorientierte, spielerisch-kreative Zugänge und Lernsettings in der außerschulischen Bildungsarbeit entwickelt, die spezifische Möglichkeiten eröffnen, Jugendliche aus bildungsfernen Milieus einzubinden, in denen rechte Orientierungen verstärkt anzutreffen sind.

Eine grundsätzliche Herausforderung pädagogisch präventiver Arbeit gegen Rechtsextremismus liegt in der Schaffung langfristiger, unterstützender Rahmenbedingungen. Auf politischer Ebene ist es erforderlich, jede rechtsextreme Gewalttat öffentlich zu thematisieren und strafrechtlich zu verfolgen, auch um ein klares Zeichen für die Menschenrechte als gelebter gesellschaftlicher Ethik zu setzen, und in einem demokratischen Sinne zu erhalten.
Die Projekte müssen von weiteren Maßnahmen flankiert werden, wie der Schaffung angemessener Ausstattung und Finanzierung der Projekte, der Qualifikation der Mitarbeitenden und eine stärkere Verankerung und Implementierung des Themenfeldes in sozialpädagogischen und anderen Ausbildungsstudiengängen. Zudem wird deutlich, dass Bildungsmaßnahmen, die auf die Veränderung rassistischen Denkens, rassistischer Haltungen und Handlungen abzielen, nur dann nachhaltig sind, wenn die Maßnahmen in der Schule adäquat eingebettet und nachbereitet, Inhalte wiederholt und positiv verstärkt werden und nicht auf ein Schulklima treffen, das die Inhalte der Bildungsangebote – wenn auch indirekt – konterkariert. Es braucht eine stärker menschenrechtsbasiert ausgerichtete schulische Gesamtorientierung mit Diskriminierung als zentralem Thema, wie es in einigen Einwanderungsstaaten wie beispielsweise in Großbritannien und Kanada bereits seit Jahren praktiziert wird (vgl. Hormel/Scherr 2004).