Dabei wird in demokratiepädagogischen Ansätzen, wie sie gerade auch in der außerschulischen Bildungsarbeit praktiziert werden, ein wirkungsvolles Instrument zur Prävention gesehen. Eigene Gestaltungsfähigkeit und die Anerkennung in der Gruppe vermindern die Anziehung durch die Ausgrenzungs- und Gewaltideologien der Rechten, so die Beobachtung. Mittels demokratiepädagogischer Projekte kann ein kognitiv und moralisch stabiles Wissen angeeignet werden, das Pluralität, Individualisierung und die Kompetenz zur Aushandlung von in der Demokratie notwendigen Konflikten vermittelt. Damit soll auch der »Politikverdrossenheit« unter Jugendlichen etwas entgegengesetzt werden, die eine Rekrutierungshilfe für die rechte Szene darstellt und damit eine gefährliche antidemokratische Politisierung begünstigt. Inhaltlich sollte sich Bildungsarbeit dabei immer auch mit den wesentlichen ideologischen Feldern des modernen Rechtsextremismus wie Geschichtsrevisionismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus beschäftigen, um vor Ort entwickelte Erscheinungsformen frühzeitig erkennen und analysieren zu können.

Im Kontext von Demokratie-Lernen weist die Pädagogin Christa Kaletsch auf die hohe Bedeutung der Kommune und der hier zu schaffenden Partizipationsräume im Kontext der Auseinandersetzung mit der extremen Rechten hin (vgl. Kaletsch 2012). Zur Stärkung und Weiterentwicklung einer demokratischen Kultur als kontinuierliche Aufgabe gegen rechte Tendenzen muss immer wieder danach gefragt werden, ob die Bedürfnisse wirklich aller in der Kommune lebenden Menschen berücksichtigt werden und ob tatsächlich auch alle ihre Bedürfnisse artikulieren können.

Damit wird einer Strategie der rechten Szene, nämlich »Lufthoheit« bzw. »kulturelle Hegemonie« zu erlangen, etwas entgegengesetzt. Wichtig ist, den Rechten weder im Diskurs noch vor Ort den Raum zu überlassen. Das Auftreten von Diskriminierungs- und Gewaltvorfällen muss in der Kommune zu Reaktionen führen und zum Anlass genommen werden, sich als Gemeinde aktiv einer inklusiven, demokratischen Kultur des Miteinanders zu versichern und gemeinsam Wege für einen aktiven Menschenrechtsschutz zu entwickeln. Ziel muss es sein, die Deutungshoheit über die Normen des Zusammenlebens vor Ort nicht aus der Hand zu geben.

Zudem stehen in der Auseinandersetzung um konkrete Vorfälle vor Ort, häufig ausschließlich die Täter/innen im Fokus des Interesses und die Perspektive der Opfer von Diskriminierung und Gewalt wird in diesem Prozess kaum wahrgenommen. Mittels dieser Praxis werden die Verletzungen der Betroffenen unsichtbar gemacht und folglich diskriminierende Praktiken reproduziert bzw. Gewöhnungsprozesse in Kauf genommen. Betroffene leiden häufig unter Relativierung oder gar Leugnung ihrer Erfahrungen. Hier muss im Sinne inklusiver Prozesse unbedingt gegengesteuert werden.

Abschließend wollen wir noch einmal auf die Ausgangsfrage zurückkommen, ob und wie eine Bezugnahme auf die Menschenrechte die pädagogische Arbeit gegen Rechts stärken und welche Rolle dabei dem Medium Film zukommen kann. Menschenrechte bilden einen kritischen Maßstab, mit dem Diskriminierung und Gewalt als solche erkannt und begründet werden können. Damit schaffen sie Orientierung und Stärkung der eigenen Position. Darüber hinaus fordern die Menschenrechte dazu auf, in den Blick zu nehmen, wessen Rechte nicht geachtet oder sogar willentlich verletzt werden. In der Auseinandersetzung um rechtsorientierte öffentliche Angriffe und Gewalttaten ist damit eine deutliche und empathische Positionierung an der Seite der Angegriffenen notwendig. Gerade hier leisten Filme, wie Nach dem Brand und andere in dieser Broschüre empfohlenen Filme einen bedeutenden Diskussionsbeitrag.