Herausforderungen für die Pädagogik – Die Identifikationsfalle und unreflektierte Bilder vom »richtigen Kerl«

Die Protagonisten vieler Filme bieten sich als Identifikationsfigur an, sie sind diejenigen, die als »cool«, »durchsetzungsfähig«, »rebellisch« gezeichnet werden, und somit attraktiv sein können für Jugendliche, die auf der Suche nach Orientierung sind. Problematisch ist diese Darstellung auch aus Genderperspektive: Viele der dargestellten Protagonisten vertreten rigide Attribute von Männlichkeit, sie werden als gewalttätig und autoritär gezeichnet, als diejenigen, die »Ansagen machen«, als frauenfeindlich und homophob. Wenig hilfreich ist es für die pädagogische Arbeit, wenn Filmemachende durch ihre Wahl der Perspektive eine implizite Faszination gegenüber dem Protagonisten vermitteln, wie beispielsweise in Beruf Neonazi. Wenn der Kader Bela Althans wiederholt im Portrait oder in Großaufnahme als Redner auf Veranstaltungen zu sehen ist, so werden Inszenierungen überlegener Männlichkeit transportiert, deren Wirkung nur schwer in die Reflektion zurückzuholen ist. Wenn Körperlichkeit und Gewalthandeln in Anlehnung an Leni Riefenstahl ästhetisiert werden, wie in der Darstellung eines Nazi-Skinheads in American History X, dann sind Anschlussmöglichkeiten für rechte Vorstellungen vom »richtigen Kerl« gegeben. Auf diesem Wege wird es schwierig, über Nazi-Ideologie und stereotype Geschlechterbilder kritisch in die Diskussion zu kommen. Die potentiell faszinierende Wirkung solcher Bilder kann deren Infragestellung und Reflektion erschweren.