Acht Türken, ein Grieche und eine Polizistin ©xxr

Dokumentation, BRD 2012, 43 min,
Regie: Matthias Deiß, Eva Müller und Anne Kathrin Thüringer, Redaktion: Mathias Werth (WDR), Gabriele Conrad (rbb)

Zielgruppe: ab Klassenstufe 10

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nicht-kommerzielle Programmverwertung
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Acht Türken, ein Grieche und eine Polizistin - Die Opfer der Rechtsterroristen

Themen:
Antimuslimischer Rassismus / Ausländerfeindlichkeit und Fremdenfeindlichkeit (Begriffkritik) / NSU / Rassismus / V-Leute / Verfassungsschutz

 

Inhaltsangabe:
Nach bisherigen Erkenntnissen verübte die neonazistische Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) seit 2000 mindestens 10 Morde und zwei Bombenanschläge in Nürnberg, Hamburg, München, Rostock, Dortmund, Kassel und Köln. In der Dokumentation Acht Türken, ein Grieche und eine Polizistin werden anstelle der Täter_innen die Opfer und deren Angehörige ins Zentrum gerückt: Wer waren die Opfer? Was wissen wir über sie? Wie lebten sie? Die Opfer bekommen ein Gesicht, eine Geschichte und einen Namen: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kiliç, Mehmet Turgut, Ismail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşik, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter. Der Film lässt die Angehörigen zu Wort kommen. Sie erinnern sich an die Ermordeten, an deren Hoffnungen und Ziele. Sie berichten vom Verlust geliebter Menschen und von der Zeit bis zur Aufklärung der Morde, in der sie zusätzlich mit falschen Verdächtigungen der ermittelnden Behörden und der Medien umgehen mussten. Sie erzählen, wie die mörderische Tat ihr Leben veränderte, wie die lang andauernde, ergebnislose Ermittlung sie deprimierte und was sie durchmachten, als bekannt wurde, dass es sich um neonazistische Attentate handelte. Ermittlungspannen, falsche Verdächtigungen und das Schweigen der Behörden werden offen angesprochen.

 

Was ist aus pädagogischer Sicht zu beachten?
Der Film ist komplex. Daher empfehlen wir, mit Fragekarten (s.u.) zu arbeiten. Bilden Sie sechs Kleingruppen und verteilen Sie die Fragekarten.

Bitten Sie die Schüler_innen, sich während des Films besonders auf die Person auf der Fragekarte zu konzentrieren. Anhand der Fragen sollen die Kleingruppen im Anschluss die jeweilige Person und ihre Familie vorstellen.



Film: Acht Türken, ein Grieche und eine Polizistin


Arbeitsblatt 4

Fragekarten:

Enver Şimşek / Mord in Nürnberg am 9. 9. 2000

  • Was erzählt Semiya Şimşek über ihren Vater und das Leben der Familie in Deutschland?
  • Wie hat der Mord das Leben der Familie verändert? Welche Fragen hat sich die Familie gestellt?
  • Wie hat die Polizei ermittelt und mit welchen Ergebnissen?
  • Was bedeutete es für die Familie, 11 Jahre später von den mutmaßlichen Neonazi-Täter_innen zu erfahren?


Mehmet Turgut / Mord in Rostock am 25. 2. 2004

  • Wie beschreibt die Familie Turgut ihren Sohn und Bruder Mehmet? Wie sah sein Leben in Deutschland aus?
  • Auf welche Weise hat der Mord das Leben der Familie verändert? Wie fühlen sich die Eltern?
  • Was wird im Film über die Arbeit von Polizei und Behörden berichtet?


Familie Yildirim / Nagelbombenanschlag in Köln am 9. 6. 2006

  • Welche Auswirkungen hat der Bombenanschlag auf die Familie Yildirim?
  • Was erfährt man über die Ermittlung der Polizei?
  • Welche Konsequenzen haben die polizeilichen Ermittlungen für die Geschäftsleute Yildirim und andere Gewerbetreibende in der Keupstraße?
  • Nachdem die Mitglieder des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) als Verantwortliche für die Anschläge aufgedeckt wurden, wird im Film von »Solidaritätstourismus« gesprochen. Was könnte damit gemeint sein?


Mehmet Kubaşik / Mord in Dortmund am 4. 4. 2006

  • Wie beschreibt die Tochter Gamze Kubaşik ihren Vater? Was berichtet sie aus dem Familienleben?
  • Wie hat die Tat das Leben der Familie verändert?


Halit Yozgat / Mord in Kassel am 6. 4. 2006

  • Nach dem Mord an Halit Yozgat organisieren einige Angehörige der NSU Mordopfer gemeinsam eine Trauerdemonstration in Kassel. Wie fühlen sie sich?
  • Was sind ihre Anliegen? Welche Aufschriften können Sie bei den mitgeführten Transparenten erkennen?



Michèle Kiesewetter / Mord in Heilbronn am 25. 4. 2007

  • Welche Reaktionen und Gefühle der Angehörigen, Freund/innen und Kolleg/innen zeigt der Film? Beschreiben Sie die Beerdigung des Mordopfers.
  • Welchen Vermutungen geht die Polizei in ihren Ermittlungen nach?
  • Wie reagiert der Bürgermeister ihrer Heimatstadt Oberweißbach? Was könnten seine Gründe sein?


Nachbereitung:

  • Jede Kleingruppe fasst mithilfe der Fragen zusammen, was sie im Film über die ermordeten Menschen, ihre Familien und die Ermittlungen erfahren haben.


Auswertungsfragen:

  • Welche Gemeinsamkeiten konnten Sie feststellen?
  • Im Film wird die Vermutung geäußert, die deutsche Gesellschaft würde je nach nationaler Herkunft der Opfer unterschiedlich auf derartige Verbrechen reagieren. Welche Umstände sprechen für diese Vermutung?
  • Die Polizei ging in ihren Ermittlungen – bis auf den Mord an Michèle Kiesewetter – in allen Fällen davon aus, dass die Ermordeten in Drogenhandel und Schutzgelderpressung verstrickt waren. Die Angehörigen und Freunde der Familien wiesen wiederholt darauf hin, dass es sich um Taten von Neonazis mit einem rassistischen Hintergrund handeln könnte. Sie wurden jedoch von Polizei und Behörden nicht ernst genommen und nicht gehört. Damit wurden die Opfer in den Ermittlungen zu Täter/innen gemacht. Versuchen Sie, sich in die Situation der betroffenen Familien hineinzuversetzen. Überlegen Sie, wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie zu Unrecht beschuldigt werden? Können Sie die Empörung der Familien nachvollziehen?
  • Erläutern Sie, warum der Begriff »Dönermorde«, mit dem die Verbrechen in der Presse häufig bezeichnet wurden, von den Familien als stigmatisierend empfunden wurde.
  • Überlegen Sie, was die Existenz des NSU insgesamt über die Situation in der Gesellschaft, in der wir leben, aussagt. Diskutieren Sie in Arbeitsgruppen, wie die Ermittlung eines Mordfalles exemplarisch aussehen müsste. Wie hätten Politik, Medien, Nachbarschaft etc. nach Bekanntwerden des Mordes Ihrer Meinung nach reagieren sollen?
  • Was könnten Sie selbst, was könnte die Nachbarschaft tun, wenn in Ihrer Stadt so etwas passiert?

 

 

Arbeitsbogen hier herunterladen

 

 

Interviews und Artikel zum Film:

Interview mit Semiya Şimşek auf Deutschlandradio zum Anlass ihres im März 2013 erschienen Buchs „Schmerzliche Heimat“

AG Friedensforschung – Veranstalter des Friedenspolitischen Ratschlags: Informationen zur Trauerfeier vom 24. Februar 2012 mit Redebeiträgen der Angehörigen der NSU-Opfer (u.a. von Semiya Şimşek)

Migazin – Migration in Germany. Informationen zum Gedenken der NSU-Opfer

Absage von Aysen Taşköprü an den Bundespräsidenten Gauck, der die Angehörigen der NSU Opfer eingeladen hat.

Imran Ayata: »Diesseits und jenseits des Rassismus« Rede auf dem Hearing „NSU, Rassismus und die Stille im Land“ am 2. Juni 2012 in Berlin.

Ergänzender Film:

93/13. 20 Jahre nach Solingen. 20 Jahre nach dem rassistischen Brandanschlag von Solingen begibt sich Regisseur Mirza Odabaşi auf eine Reise durch Deutschland.