Das Hoyerswerda Syndrom ©autofocus videowerkstatt e. V.

Dokumentation, Frankreich 1996, 52 min, deutsche Originalfassung,
Regie: Mogniss H. Abdallah, Yonas Endrias

Zielgruppe: ab Klassenstufe 10

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Das Hoyerswerda Syndrom

Themen:
Akzeptierende Jugendarbeit / "Ausländerfeindlichkeit" und "Fremdenfeindlichkeit" (Begriffskritik) / Einschränkung des Grundrechts auf Asyl / Deutsche Alternative / Deutscher Kolonialismus / Die Republikaner / Nationalistische Front / Pogrom / Rassismus / Skinheads / Vertragsarbeiter_innen in der DDR

 

Inhaltsangabe:
Im Mittelpunkt steht Jona, der zusammen mit 47 namibischen Lehrlingen im Rahmen eines DDR-Solidaritätsstipendiums nach Deutschland gekommen ist. Er wird im Mai 1991 in Wittenberge Opfer eines rassistischen Angriffs. Jona und sein Freund Lucas werden in ihrem Wohnheim von jungen Deutschen angegriffen und vom Balkon des vierten Stocks geworfen. Jona erleidet schwere Verletzungen und muss während seines 14-monatigen Krankenhausaufenthalts mehrmals operiert werden. Das Filmteam begleitet ihn bei seinen Anstrengungen, die Ereignisse zu verarbeiten, und seinen Körper nach den schweren Verletzungen wieder zu trainieren. Nach den Pogromen in Hoyerswerda und Rostock, den rassistischen Brandanschlägen in Mölln und Solingen zeigen sich die Medien empört und Bürger_innen organisieren Lichterketten und Mahnwachen. Gleichzeitig werden Jonas Freunde nach Namibia abgeschoben.

Für diese Dokumentation bietet sich die Arbeit in Kleingruppen an, da der Film sehr komplex ist und sehr unterschiedliche Themen aufgreift. Die Auswertungsfragen sind daher thematisch gegliedert.

 

Was ist aus pädagogischer Sicht zu beachten?
Im Rahmen einer Projektwoche, in der außerschulischen Bildungsarbeit oder einer vertieften Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus und rechter Gewalt ist dieser Film gut einsetzbar. Als Einstieg in das Thema ist er nicht geeignet, da vertiefte Kenntnis und Reflektion über die damaligen Ereignisse und Rassismus in Deutschland zum Verständnis des Films erforderlich sind. Der Film Das Hoyerswerda Syndrom beschreibt die Pogrome und rassistischen Angriffe in den 1990er Jahren in Deutschland aus der Perspektive der Betroffenen. Das Besondere an diesem Zeitdokument ist, dass es die Perspektive der von Rassismus Betroffenen sichtbar macht und die Regie von POC-Aktivist_innen (der Begriff People of Color ist eine in politischen Zusammenhängen geprägte Selbstbezeichnung rassistisch diskriminierter Menschen) selbst geführt wird. Sie berichten von ihren Kämpfen und kritisieren die Rolle der weißen Mehrheitsgesellschaft. Mit dieser Perspektive werden rassistisches Verhalten und damit verbundene Strukturen aufgedeckt. Der Film zeigt exemplarisch die Situation von Einwander_innen und Schwarzen Deutschen, die in der gesellschaftlichen Diskussion und der medialen Auseinandersetzung um rechte Gewalt bis vor wenigen Jahren gewöhnlich ausgeschlossen blieb.

Für diese Dokumentation bietet sich die Arbeit in Kleingruppen an, da der Film sehr komplex ist und sehr unterschiedliche Themen aufgreift. Die Auswertungsfragen sind daher thematisch gegliedert.



Film: Das Hoyerswerda Syndrom


Arbeitsblatt 2


Beobachtungsfragen:

  • Beschreiben Sie die Situation von Jona und den anderen Lehrlingen aus Namibia.
  • Beschreiben Sie, wie Jona sich in Deutschland fühlt und welche Erfahrungen er gemacht hat.

Auswertungsfragen:

  • Im Film wird die historische Perspektive zum Deutschen Kolonialismus in Afrika thematisiert. Diskutieren Sie, inwiefern es Kontinuitäten zum heutigen Rassismus gibt und in welchem Klima rassistische Gewalt entsteht.
  • Erläutern Sie, was Jona über die Reaktionen aus der weißen Mehrheitsgesellschaft auf die Übergriffe, wie Lichterketten oder Konzerte gegen rechts, denkt. Welche Reaktionen vermisst er?
  • Im Film wird das Konzept zur Bekämpfung von Rechtsextremismus in Deutschland kritisiert, Geld für die Täter, nicht aber für die Opfer auszugeben. Was denken Sie darüber? Wie könnte / sollte Solidarität mit Menschen, die rassistische Diskriminierung erfahren, Ihrer Meinung nach aussehen?
  • Der Film thematisiert die Situation in den 1990er Jahren. Was hat sich verändert? Was ist gleich geblieben?
  • Diskutieren Sie die Kritik, die an den öffentlichen und medialen Aktionen gegen Rassismus geübt wird. Wo sollte ein nachhaltiger Widerstand gegen Rassismus ansetzen?
  • Der Soziologe Eberhard Seidel kritisiert die im Film gezeigten TV-Spots gegen Rassismus als »billige[n] Antirassismus, der nichts bewirkt« und »die Menschen nicht erreichen wird in ihren Herzen«. Teilen Sie diese Kritik? Wenn nicht, was denken Sie über die Spots?

Recherchefragen:

  • Kennen Sie aktuelle Clips / Spots gegen Rassismus? Schauen Sie gemeinsam welche an und diskutieren Sie, was Ihnen daran gefällt und was nicht. Wie würden Sie einen TV-Spot gegen Rassismus gestalten?

 

 

Arbeitsbogen hier herunterladen

 

Interviews und Artikel zum Film:

Das Hoyerswerda Syndrom beim Filmverleih autofocus

Regina Kerner: HipHop, Angst und manchmal Schmerzen. Lucas Nghidinwa leidet an den Folgen eines brutalen Überfalls - trotzdem soll er abgeschoben werden. Berliner Zeitung vom 08.09.1995

Heike Kleffner: 20 Jahre nach den Pogromen in Hoyerswerda: Reise in die Gegenwart.

Heike Kleffner: Der Rassismus der frühen Jahre. Ein Rückblick zwei Jahrzehnte nach den Pogromen von Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen.

Sebastian Erb: Rassismus in Sachsen. Lust auf Hoyerswerda? Warum nicht, dachte sich Manuel Nhacutou und kam nach 20 Jahren wieder in die Lausitz. Er war schockiert, denn trotz vieler Bemühungen, hat sich nicht viel geändert.

Broschüre aus den 1990er Jahren zum Pogrom: hier

Antirassistische Selbst-Organisationen:

Der Afrika-Rat ist ein Netzwerk und Interessenszusammenschluss von Organisationen, Vereinen, Initiativen und Menschen der afrikanischen Diaspora in Berlin und Brandenburg.

Afro-TV Berlin. TV- und Medienproduktion der afrikanischen Gemeinde in Deutschland

ISD - Berlin e.V.  Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.

Bündnis gegen Rassismus

der braune mob e.V.” ist Deutschlands erste antirassistische media-watch-Organisation, gegründet 2001 von Medienschaffenden und JuristInnen, die diskriminierungsfreie Berichterstattung erreichen wollen.