Der Kick ©Piffl Medien GmbH

Dokumentation, BRD 2005/2006, 85 min,
Regie: Andres Veiel,
Buch: Andres Veiel und Gesine Schmidt

Zielgruppe: ab Klassenstufe 12

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Neue Visionen Medien GmbH
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Der Kick

Themen:
Akzeptierende Jugendarbeit / Antisemitismus / Rassismus / Rechte Gewalt / Sozialdarwinismus

 

Inhaltsangabe:
Der Film thematisiert den Mord an Marinus Schöberl, der am 12. Juli 2002 in Potzlow (Brandenburg / Uckermark) von drei Jugendlichen (zwischen 17 und 23 Jahren) umgebracht wurde. Sie misshandelten und quälten den 16-jährigen Marinus eine Nacht lang, töteten ihn auf grausame Weise und vergruben seine Leiche neben einem Schweinestall. Die Täter gehörten der rechten Szene an. Sie zwangen ihn, sich »Jude« zu nennen und prügelten danach umso stärker auf ihn ein. Monatelang blieb die Tat unentdeckt, bis einer der Täter zwei andere Jugendliche zum Opfer führte. Für die Misshandlung gab es Zeug_innen und Mitwissende, nach dem Verschwinden des Mordopfers jedoch keinerlei Aussagen. Die Frage, wie so etwas geschehen konnte und kann, war Anlass für den Film. Der Dokumentarfilmer Andres Veiel recherchierte mehrere Monate gemeinsam mit der Theaterdramaturgin Gesine Schmidt vor Ort, befragte Eltern, Nachbar_innen und Bekannte der Täter und des Opfers. Sie studierten intensiv Akten, Vernehmungsprotokolle, Anklage, Plädoyers und Urteile des Gerichtsprozesses. Die Ergebnisse ihrer Recherche verdichteten sie zu einem filmischen Protokoll für zwei Schauspieler, die insgesamt 19 verschiedene Rollen übernehmen und szenisch darstellen. Der Kick versucht, den Strukturen und Biografien hinter der Tat eine Sprache zu geben. »Es geht darum«, sagt Andres Veiel, »über das Entsetzen hinaus Fragen zuzulassen, Brüche auszuhalten und einen Bruchteil zu verstehen.«

Für diese Dokumentation bietet sich die Arbeit in Kleingruppen an, da der Film sehr komplex ist und sehr unterschiedliche Themen aufgreift. Die Auswertungsfragen sind daher thematisch gegliedert.

 

Was ist aus pädagogischer Sicht zu beachten?
Der Film ist anspruchsvoll. Er erfordert Konzentration und Aufmerksamkeit. Die Theaterdramaturgie entspricht nicht den üblichen Sehgewohnheiten junger Erwachsener. Sie müssen in der Lage sein, die filmische Form zu akzeptieren und sich auf die geschilderte Realität einzulassen. Die detaillierte sprachliche Darstellung einer grausamen Gewalttat aus Täterperspektive und die Authentizität des Falls, können Hilflosigkeit und Ohnmacht auslösen. Gewalt wird hier rein sprachlich wiedergegeben, Zuschauende sind ihr nicht bildlich ausgesetzt. Gleichwohl können die Textstellen Bilder evozieren, deren mögliche Wirkung vorab bedacht werden sollte.

Der Film eignet sich für die Sekundarstufe II (Klassenstufe 12). Er bedarf einer sorgfältigen Vor- und Nachbereitung, beispielsweise in einer Zukunftswerkstatt, einer Projektwoche oder einer Theater-AG. Methodisch bieten sich Rollenspiel, Partnergespräche / -interviews und Kleingruppenarbeit an.

Wichtige Anmerkung: Die Schüler_innen sollten vorab den Hinweis bekommen, dass sie jederzeit den Raum verlassen können, wenn ihnen der Film aufgrund seiner detailliert geschilderten Grausamkeiten unerträglich wird. Darüber hinaus ist es notwendig, mit persönlichen Gewalterfahrungen der Schüler_innen sensibel umzugehen.

Empfehlenswert zur Vor- und Nachbereitung ist das Buch von Andres Veiel: Der Kick – Ein Lehrstück über Gewalt, Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2007

Für diese Dokumentation bietet sich die Arbeit in Kleingruppen an, da der Film sehr komplex ist und sehr unterschiedliche Themen aufgreift. Die Auswertungsfragen sind daher thematisch gegliedert.



Film: Der Kick


Arbeitsblatt 6

Vorbereitende Fragestellungen (in Kleingruppen):

  • Beschreiben Sie, welche Darstellungen von Gewalttaten Sie kennen. Wie erleben Sie Gewaltdarstellungen in den Medien generell? Wie gehen Sie damit um?
  • Diskutieren Sie untereinander, was Gewalt für Sie bedeutet, wo sie Ihrer Meinung nach beginnt.


Beobachtungsfragen:

  • Beschreiben Sie, welcher Geschichte, welcher Person Sie besonders gefolgt sind und warum.
  • Teilen Sie den Film in Kapitel bzw. Handlungsstränge ein und erstellen Sie ein Figurenschaubild.
  • Legen Sie dar, welche Schilderungen sich Ihnen besonders eingeprägt haben und warum.
  • Erläutern Sie, ob es Momente, Geschichten, Erlebnisse gab, in denen Sie aus der Handlung »ausgestiegen« sind, und aus welchem Grund.


Auswertungsfragen:

  • Der Regisseur Andres Veiel wollte ursprünglich einen Spielfilm über den Fall machen. Er entschied sich aber zunächst für ein Theaterstück und wählte die Form des Dokumentartheaters, welches er später filmte, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Erörtern Sie, aus welchen Gründen er diese spezielle Form, anstelle eines Spiel- oder Dokumentarfilms, gewählt haben könnte. Wie wirkt diese Form auf Sie?
  • Analysieren Sie, warum der Film »Der Kick« heißt und was ein Kick sein kann, insbesondere im Zusammenhang mit dem Film.
  • Beurteilen Sie die Auswahl der dargestellten Personen im Film und diskutieren Sie, ob es weitere wichtige Personen gibt, die nicht auftauchen.
  • Im Film kommen weitere rassistische Bedrohungen und Gewalttaten der beiden Brüder zur Sprache. Erklären Sie, wer angegriffen wurde und inwiefern dies mit rechten Weltbildern zusammenhängt. Erläutern Sie, welche Personen sich im Film darüber hinaus rassistisch äußern.
  • Erläutern Sie, wie die Justiz mit den Tätern umgeht, und wie die anderen Personen mit ihnen umgehen.
  • Diskutieren Sie, welche Person Ihrer Meinung nach an welcher Stelle hätte intervenieren können? Erklären Sie, wie sich das Verhalten der Mitwissenden und Zeug_innen auf die Tat und auf das Verhalten der Täter auswirkte.
  • Im Film äußern sich mehrere Personen über Marinus. Beschreiben Sie, was man über ihn erfährt.
  • Erklären Sie, warum Marinus Ihrer Meinung nach Opfer der rechten Gewalttat wurde. Erörtern Sie, warum Marinus gezwungen wurde, sich als »Jude« zu bezeichnen, und welche Konsequenzen dies hatte.
  • Überlegen Sie, welche Gegenstrategien man entwickeln könnte, um aus dem Gefühl der Ohnmacht herauszukommen.


Recherchefragen:

  • Recherchieren Sie, welche Gruppen besonders häufig Opfer rechter Gewalt werden.
  • Finden Sie heraus, welche Beratungsangebote / Initiativen es für von rechter Gewalt Betroffene gibt.
  • Untersuchen Sie, wie über den Mord an Marinus Schöberl in den Medien berichtet, wie er dargestellt wurde.
  • Recherchieren Sie die Geschichte des Dokumentartheaters und vergleichen Sie die gestalterischen Mittel des Films (Kameraperspektive, Einstellungsgröße) mit denen des dokumentarischen Theaters (Körpersprache, Mimik, Gestik, Licht etc.).

 

 

Arbeitsbogen hier herunterladen

 

Filmwebseite des Verleihs

Der Kick bei Pfiffl Medien

 

Textsammlung:

Wir vergessen nicht! - Gedenken an Marinus Schöberl. 10 Jahre nach dem brutalen Neonazi-Mord in Potzlow

Rivalitäten zwischen Jugendlichen? Polizei und KommunalpolitikerInnen sehen in rechten Gewalttaten oft nur jugendtypische Konflikte.

Michel Kohlstruck; Anna Verena Münch: Der Mordfall Marinus Schöberl. Arbeitspapier 1/2004. Technische Universität Berlin, Zentrum für Antisemitismusforschung, 2004.

Opferperspektive e.V. Beratungsstelle für Betroffene von rechter Gewalt und rassistischer Diskriminierung im Land Brandenburg.