Die Tragödie der Provinz © LiberamaFilm

Dokumentarfilm, BRD 2010, 35 min,
Regie: Maik Baumgärtner und Ralf Zimmermann

Zielgruppe: ab Klassenstufe 9

Wo erhalte ich den Film?
Amadeu Antonio Stiftung
Linienstrasse 139
10115 Berlin
Telefon: 030. 24 08 86 10
www.amadeu-antonio-stiftung.de

 

Die Tragödie der Provinz

Themen:
Anti-Antifa / Antisemitismus / Freie Kameradschaften / Neonazistische Codes und Symbole / Rassismus / rechte Gewalt / rechte Musik / Rudolf Heß / Volksverhetzung

 

Inhaltsangabe:
Der Film dokumentiert die Situation im thüringischen und sächsischen Teil des Vogtlandes. Dort prägen Neonazis das Stadtbild. Im Vogtlandkreis gab es in den letzten Jahren zahlreiche NPD-Veranstaltungen, Schulungen, Rechtsrockkonzerte, Propagandadelikte, Bedrohungen und Körperverletzungen. Wiederholt wurden Brandanschläge auf Wohneinrichtungen von Geflüchteten und Gastronomen mit Migrationsbiografie verübt. Rechte Propaganda und Gewalt gehören zum Alltag. Ein rechtes Weltbild ist nicht nur unter Jugendlichen weit verbreitet. Menschen, die sich gegen Neonazis engagieren, sehen sich oft mit einer Öffentlichkeit konfrontiert, die die Augen vor nationalistischen Tendenzen und Alltagsrassismus verschließt. Es fehlt an einer demokratischen Zivilgesellschaft, einer Gegenöffentlichkeit, die neonazistische Aktivitäten erkennt und ihnen etwas entgegensetzt.

 

Was ist aus pädagogischer Sicht zu beachten?
Der Film gliedert sich in vier Kapitel: Aggression – Routine – Architektur – Courage. Diese können in der Auswertung des Films wieder aufgegriffen werden.


 

Film: Die Tragödie der Provinz


Arbeitsblatt 8

Beobachtungsfragen:

  • Beschreibt den Aufbau des Films anhand der vorgegebenen Kapitel.

 

Aggression
  • Beschreibt, auf welche Gruppen von Menschen die Aggression der Neonazis im Vogtland gerichtet ist. 
  • Erläutert, wie sich diese Aggression auf den Alltag und das Lebensgefühl der Opfergruppen auswirkt.
  • Stellt die Strategien dar, mit denen Rechtsextreme Einfluss auf dem Land nehmen. Erläutert, welche Bedingungen es ihnen in ländlichen Gebieten erleichtern, Einfluss zu nehmen.
  • Recherchiert, auf welche Weise in der Stadt versucht wird, Jugendliche anzuwerben.
  • »Ein rechtes Weltbild unter Jugendlichen ist längst Normalität«, so ein Mitarbeiter von MOVE – Menschen ohne Vorurteile, der Kontaktstelle gegen Rechts in Plauen. Fasst zusammen, wie sich eine rechte Gesinnung / Grundhaltung im Alltag zeigt.


Routine

  • Stellt dar, auf welche Art und Weise das ungehinderte Auftreten der Rechtsextremen Einfluss auf den Alltag nimmt (Stadtbild, Schule, Jugendclub, »Nazischick« als Mode).
  • Beschreibt die Arbeit der Polizei.
  • »Vogtland als ›Homezone‹ für Neonazis, wo nicht mehr frei gedacht werden kann«. Erörtert, ob Ihr diese Aussage nachvollziehen könnt.
  • Beschreibt, welche Probleme im Jugendclub auftreten. Wie wird damit umgegangen?


Architektur

  • Beschreibt die rechten Strukturen, die im Film genannt werden und wie sie miteinander zusammenhängen. Diskutiert, inwiefern Dorfstrukturen die Verbreitung und Verankerung rechter Einstellungen / Haltungen und Aktionen begünstigen.
  • Erläutert, von welchen politischen Gegebenheiten die Nazis im Vogtland profitieren. (Ländergrenzen: Polizei, Behörden)

Courage

  • Welche Forderungen werden von Menschen erhoben, die sich gegen die rechten Strukturen engagieren?
  • Was unterstützt und was behindert sie? Was würde ihre Arbeit erleichtern?
  • Was haben sie mit ihrem Engagement bereits erreicht?
  • Wie würdet Ihr Euch verhalten, wenn Ihr dort leben würdet in einer Atmosphäre rechter Propaganda und Gewalt?
  • Welche Formen der demokratischen Zivilcourage gibt es? Überlegt, was man aktiv gegen rechte Gewalt und Strukturen tun könnte.

 

Arbeitsbogen hier herunterladen

 

Textsammlung:

Amadeu Antonio Stiftung: "Das Kartell der Verharmloser. Wie deutsche Behörden systematisch rechtsextremen Alltagsterror bagatellisieren" (PDF-Dokument, 3.8 MB)

Amadeu Antonio Stiftung "Staatsversagen. Wie Engagierte gegen Rechtsextremismus im Stich gelassen werden. Ein Report aus Westdeutschland" (PDF-Dokument, 15 MB)

Anlauf- und Beratungsstellen für von Rassismus und rechter Gewalt Betroffene im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Bayern:

Opferberatung für Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt - RAA Sachsen e.V.

Ezra - Mobile Beratung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen.

B.U.D. Beratung. Unterstützung. Dokumentation.

Im Film auftauchende Initiativen:

MOVE. Menschen ohne Vorurteile erreichen/Kontaktstelle gegen Rechts (Plauen) 

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (V.V.N. B.d.A .)

Handeln gegen rechts:

Keine Räume für Nazis. Was können Vermieter/innen tun? Ratgeber zum Umgang mit Anmietungen durch rechtsextreme Gruppen; (Hg).: MBR Berlin und Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsgebiet Köln; Kooperationspartner: DEHOGA Nordrhein, DGB Region Köln-Bonn, NGG Region Aachen, NGG Region Köln, ver.di Bezirk Köln, 2011; 40 Seiten.

Integrierte Handlungsstrategien zur Rechtsextremismus- Prävention und -Intervention in der Jugendarbeit: Hintergrundwissen und Empfehlungen für Jugendarbeit, Kommunalpolitik und Verwaltung (2006); 120 Seiten.

Kampagne: Kein Bock auf Nazis

Literaturtipp:

Uta Döring: Angstzonen - Rechtsdominierte Orte aus medialer und lokaler Perspektive. Wiesbaden 2008: VS Verlag für Sozialwissenschaften. ISBN 978-3-531-14690-4