Theaterstück: „Mit Tötungsdelikten ist zu rechnen“

Dokumentartheater BRD 2013, ca. 105 min, Konzept und Dramaturgie: Lea Rosh und Renate Kreibich-Fischer, Regie: Clemens Bechtel

Zielgruppe: ab Klassenstufe 10
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Themen:
„Ausländerfeindlichkeit“ und „Fremdenfeindlichkeit“ (Begriffskritik) / Antimuslimischer Rassismus / NSU / Pogrom / Rassismus

Inhaltsangabe:
Das Dokumentartheaterprojekt „Mit Tötungsdelikten ist zu rechnen“ thematisiert sowohl den allgegenwärtigen Rassismus als auch den Alltag der extremen Rechten in Deutschland. Auf differenzierte Weise werden die Strukturen und die organisierte  Vernetzung der rechten Szene gezeigt. Die Zuschauenden werden zum Nachdenken über das Verhalten der Gesellschaft und jedes Einzelnen aufgefordert.

Die Akteur_innen dieses Theaterstücks sind:

  • Manuela Ritz, Schwarze Deutsche, die im sächsischen Mügeln aufwuchs, tagtäglich mit Rassismus konfrontiert wird und inzwischen als Theaterautorin und Antirassismustrainerin arbeitet.
  • Der Aussteiger Kevin Müller, der über seine Erlebnisse, seine Agitation in der extrem rechten Szene und über seine Motivation zum Aussteigen berichtet. Er liefert Informationen über die Methoden der Nazis um den „Kampf der Köpfe“ an Schulen.
  • Lothar Priewe, der Kevin M. beim Ausstieg aus der rechten Szene begleitete und jahrelang als stellvertretender Integrationsbeauftragter in der Uckermark arbeitete und heute Schulprojekte zum Thema Neonazis durchführt.
  • Irmela Mensah-Schramm, die von den Neonazis als „Zeckenoma“ und sich selbst als „Politputze“ bezeichnet und unermüdlich seit fast drei Jahrzehnten europaweit  gegen rechte Schmierereien und rechte Aufkleber im öffentlichen Raum vorgeht. Sie organisiert Ausstellungen zum Thema und macht Workshops an Schulen.
  • Bernd Fischer (Name geändert), der mittlerweile hunderte von Vorfällen der extrem Rechten in Berlin (von Versammlungen über Propaganda bis zu gewalttätigen Übergriffen) sammelt und dokumentiert.
  • Die SPD Politikerin Dr. Eva Högl, die über ihre Erfahrungen im NSU-Untersuchungsausschuss und ihr Unverständnis über die bisherige Arbeit des Verfassungsschutzes und der ermittelnden Behörden im NSU-Fall berichtet.
  • Die drei Schauspieler_innen, Magda Decker, Kolja Heiss und Michel Diercks, die die Erlebnisse und Berichte der Akteur_innen szenisch darstellen.

Die Zivilcourage der Menschen, die dort auf der Bühne stehen und von ihrem eigenen Alltag, ihren Rassismuserfahrungen und traumatischen Erlebnissen berichten, ist beeindruckend und setzt viel Mut voraus, da sie alle permanent bedroht werden. Das Theaterstück bleibt aber nicht beim zivilcouragierten Engagement der versammelten Akteur_innen stehen. In einer Vielzahl von kurzen Erzählungen und szenischen Darstellungen wird ein komplexes Bild rechter Gewalt, von der Wendezeit bis in die jüngere Gegenwart des NSU-Terrors, nachgezeichnet. Kevin Müller berichtet, wie seine „Kameradschaft“ für belanglose Informationen Geld vom Verfassungsschutz bekam, welches für Propagandamaterialien eingesetzt wurde. „Wenn wir von Rechtsradikalismus sprechen, dann sprechen wir von einer Handvoll Leute. Wenn wir von Rassismus sprechen, sprechen wir von einer Lebensrealität.“, bringt Manuela Ritz ihre eigenen Rassismuserfahrungen auf den Punkt. Darüber hinaus verdeutlichen Politiker_innen- und Bürger_innen-Statements zur Asylfrage, wie stark rassistisches Denken in der Mitte unserer Gesellschaft verankert ist.

Clemens Bechtels dokumentarisches Theaterstück, konzipiert von Lea Rosh und Renate Kreibich-Fischer, interessiert sich dafür, wie rechte Gewalt und Rassismus im Alltag entstehen können und welche Rolle die „schweigende Mehrheit“ dabei spielt. Beleuchtet werden auch die Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten bei den Ermittlungen im NSU-Fall. Damit schließt dieses Stück direkt an weitere Filme an, die wir in diesem Filmheft empfehlen:

  • Acht Türken, ein Grieche und eine Polizistin
  • Wer Gewalt sät… Von Brandstiftern und Biedermännern
  • The Truth lies in Rostock
  • Nach dem Brand
  • Der Tag, an dem der Mob die Inder jagte

Text von Ulla Niehaus


Weiterführende Links:
Artikel auf Deutschlandradio Kultur über die Uraufführung des Theaterstücks mit Interviewpassagen der Protagonist_innen:
www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/2019241

Artikel in der Berliner Zeitung: www.berliner-zeitung.de/kultur/hans-otto-theater-unser-gewoehnlicher-rassismus,10809150,21937466.html

Nächste Vorstellung:
19. Oktober 2013, 19.30 - 21.15 Uhr
Ort: Hans Otto Theater
Schiffbauergasse 11
14467 Potsdam

Telefon 0331. 98 11-8
Fax 0331. 98 11-900
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