Viele habe ich erkannt

Dokumentation BRD 1992, 25 min. Regie: Dietrich, Julia Oelkers, Lars Maibaum, Deutsche Originalfassung, auch türkische oder spanische Version verfügbar

Zielgruppe: ab Klassenstufe 10
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Themen: Rassismus / Vertragsarbeiter_innen / Migration

Viele habe ich erkannt ist das Gedächtnisprotokolls eines ehemaligen Vertragsarbeiters. Manuell Alexandre Nhacutou lebte als einer von 18.000 mosambikanischen Vertragsarbeiter_innen in der ehemaligen DDR. Detailliert berichtet er von seinen dortigen Lebens-und Arbeitsbedingungen. Rassismus, so wird aus Manuels Schilderungen deutlich, war auch zu DDR-Zeiten ein massives Problem. Im zweiten Teil des Films beschreibt er die Zeit nach der deutschen Vereinigung: Als direkt Betroffener gibt er Auskunft über das rassistische Pogrom von Hoyerswerda sowie dessen Vorgeschichte.
1983 kam Manuell Alexandre ins brandenburgische Lauchhammer, um dort eine Ausbildung zu machen. Die dortigen Lebens- und Arbeitsbedingungen beschreibt er als „unerträglich“: Die Unterbringung erfolgte in hölzernen Betriebsbaracken mit Dreibettzimmern, separiert von der lokalen Bevölkerung, am Eingang kontrollierte ein Pförtner das Kommen und Gehen der Bewohner. Manuell schildert einen so fremdbestimmten wie starr reglementierten Alltag zwischen harter Arbeit und Berufsausbildung. 1986 wird er in den Braunkohleabbau nach Hoyerswerda geschickt. Er berichtet von den Schikanen seitens der Betriebsleitung und den weißen Arbeitskollegen, außerhalb des Betriebs sind er und seine Schwarzen Kollegen einer ständigen Bedrohung durch gewalttätige rassistische Angriffe ausgesetzt, bei denen Kollegen krankenhausreif geschlagen werden. Von Seiten des Betriebs erhalten die Betroffenen weder Hilfe noch Unterstützung, da die Vorgesetzten die Schuld stets bei den angegriffenen Mosambikanern suchen.
Nach der deutschen Vereinigung sollten nahezu alle Vertragsarbeiter_innen in ihre jeweiligen Herkunftsländer zurückgeschickt werden. Im Einigungsvertrag wurde zu diesem Zweck die Auszahlung einer Abfindung festgelegt. Als in Hoyerswerda die Abschiebung der Betroffenen begann, ohne die ihnen zustehende Abfindung, organisierten die verbliebenen Mosambikaner im Werk Protestaktionen. Einen Tag später sammelte sich eine Menschenmenge vor dem Wohnheim an, darunter einige Arbeitskolleg_innen. Sie skandierten rassistische Parolen und griffen das Wohnheim an.
Manuells Erfahrungsbericht ist ein beklemmendes Zeugnis vom Alltag Schwarzer Menschen in der DDR und den ersten Nachwendejahren. Er räumt mit der weitverbreiteten Auffassung auf, dass rassistische Gewalt ein Resultat sozialer Probleme wie Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot sei.

Text von Julia Stegmann

 

 

20 Jahre Hoyerswerda - Was hat sich seitdem verändert?

Dokumentation BRD 2011 Cosmo TV-Beitrag. 6 min. Regie: Charlotte Schwab, Lars Maibaum Julia Oelkers

Im 6 minütigen-TV Beitrag 20 Jahre Hoyerswerda - Was hat sich seitdem verändert? begleitet ein Kamerateam Manuell Alexandre sowie Emanuel G. und Imanuel A., die beide erst kurz vor dem rassistischen Pogrom nach Deutschland geflohen und in Hoyerswerda untergebracht waren. Die drei erlebten damals den Angriff mit und wollen sich nun – 20 Jahre später – einen Eindruck vor Ort verschaffen, ob und inwiefern sich die Stadt verändert hat. Wie geht man heute mit dem Pogrom in Hoyerswerda um? Sie besuchen eine Gedenkausstelllung und hören das erste Mal – 20 Jahre nach den Geschehnissen – eine Entschuldigung von offizieller Seite. Doch bei der Begehung des damaligen Tatorts eskaliert die Lage erneut. Wieder werden sie von Anwohner_innen rassistisch beschimpft und bedroht.



Aus diesem und weiterem Material sollte ein Film entstehen. Doch leider ließ sich dieses Vorhaben mangels Finanzierung nicht realisieren.
Interview mit Manuel Nhacutou und Julia Oelkers zum Pogrom von Hoyerswerda und dem rassistischen Angriff 20 Jahre später: „Unter Polizeischutz zur Kaufhalle“ Online unter: www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1556060