Kriegerin ©Alexander Janetzko

Spielfilm, BRD 2011, 106 min,
Regie: David Wnendt, ZDF/Das Kleine Fernsehspiel und Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf

Zielgruppe: ab Klassenstufe 9/10

Wo erhalte ich den Film? FWU Institut für Film und Bild: www.fwu-shop.de
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Kriegerin

Themen:
Aussteiger_innen / Gutscheinsystem / Neonazistische Codes und Symbole / Rassismus / Frauen in der rechten Szene / Residenzpflicht

 

Inhaltsangabe:
Protagonistin des Films ist Marisa. Ihre Einstellung ist geprägt von der Überzeugung ihres Großvaters, der im Nationalsozialismus aktiv war. Schon als kleines Mädchen nennt er sie "Kriegerin". Als Jugendliche streift sie mit ihren rechtsextremen Freunden durch die ostdeutsche Provinz, beschimpft und verprügelt Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen. An einer Badestelle treffen sie den Asylbewerber Rasul und dessen Bruder. Mit dem Auto verfolgt Marisa die beiden, die auf einem Moped unterwegs sind, drängt sie in den Straßengraben und flieht anschließend vom Unfallort. Doch in den folgenden Tagen entwickelt sie Schuldgefühle, bietet dem 14-Jährigen Zuflucht in ihrer Garage. Je mehr sie mit ihm redet, desto mehr wendet sie sich von den simplen Parolen der Nazi-Clique ab. Bis zum Ende des Films stellt sich die Frage, wie ernst Marisas Abwendung von den bisherigen Freunden und ihrer Ideologie für sie ist. Neben Marisa werden zwei weitere Frauen und ihre Motive, in die rechte Clique einzusteigen, vorgestellt.

 

Was ist aus pädagogischer Sicht zu bedenken?
Der Film ist im Rahmen einer intensiveren Auseinandersetzung mit Neonazi-Gewalt geeignet, die Beteiligung von Mädchen und Frauen in rechtsextremen Gruppierungen zu thematisieren. Der Film wurde in Fachkreisen gerade in Bezug auf den Einsatz in der pädagogischen Arbeit kontrovers diskutiert. Kritisch anzumerken sind vor allem die Gewaltszenen, die Verbindung von Sex und Gewalt und die fast vollständige Abwesenheit von Zivilgesellschaft. Eine differenzierte Vor- und Nachbereitung des Films ist daher unerlässlich. Über die Website des „Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus“ gelangen Sie zu einer Handreichung, die den Themenkomplex Mädchen/Frauen und Rechtextremismus beleuchtet und zur Vorbereitung empfohlen wird. Ebenso bietet die Dokumentation Braune Kameradin – Frauen in der Neonazi-Szene einen guten Einstieg in die Thematik. (siehe S. 41)



Film: Kriegerin


Arbeitsblatt 10

Beobachtungsaufgaben:

  • Bitte richtet Eure Aufmerksamkeit auf eine der folgenden Personen:

•    Marisa
•    Svenja
•    Rasul
•    Sandro und die Neonazi-Clique


Was tut die jeweilige Person? Wie verhält sie sich? Welche Motive für das eigene Verhalten werden deutlich?
Welche Gefühle und Stimmungen nehmt Ihr wahr? Welche Äußerungen sind besonders prägnant?

  • Beobachtet während des Films folgende Personen:

•    Mutter und Großvater von Marisa
•    Eltern von Svenja


Was tun die Personen? Warum verhalten sie sich so? Was erfahren die Zuschauer_innen über das Verhältnis zueinander? Wie wird das Verhältnis zur eigenen Tochter (im Falle des Großvaters zur eigenen Enkelin) dargestellt?
Tauscht Eure Beobachtungen nach dem Film in Eurer Kleingruppe aus.


Auswertungsfragen:

Marisa

  •  Beschreibt Marisa. Wie tritt sie auf? Was ist ihr wichtig? Was erfährt man über ihr bisheriges Leben?
  •  Charakterisiert das Verhältnis zwischen Marisa und ihrer Mutter und das zwischen Marisa und ihrem Großvater. Welche Rolle spielen beide Personen in ihrem Leben? Wie stehen Großvater und Mutter zu Marisas Mitgliedschaft in der Neonazi-Gruppe? Stellt mögliche Zusammenhänge dar.
  •  Welche Gefühle löst Marisa bei Euch aus?
  •  Erläutert, ab welchem Zeitpunkt Marisa ihre Zugehörigkeit zu der Neonazi-Clique überdenkt. Welche Auslöser konntet Ihr beobachten?
  •  Beschreibt Marisas Kontakt zu dem Flüchtling Rasul. Welche Widersprüche werden in ihrem Verhalten deutlich?

Svenja

  •  Beschreibt Svenja. Wie tritt sie auf? Was sind die Motive für ihr Verhalten?
  •  Beschreibt Svenjas Verhältnis zu ihren Eltern.
  •  Charakterisiert ihr Verhältnis zu Marisa.
  •  Analysiert, aus welchen Gründen die Neonazi-Clique für Svenja attraktiv erscheint. Warum fühlt sie sich zu dieser Gruppe hingezogen?

Neonazi-Gruppe

  • Beschreibt, wie die männlichen Neonazis in der Gruppe dargestellt werden. Welche Rolle spielt Sandro in der Gruppe und welche der ältere Nazi Clemens?
  • Nennt die rechten Symbole und Erkennungszeichen, die Euch in dem Film aufgefallen sind.


Bedeutung der Musik

  • Analysiert die Bedeutung der Musik im Film. Wofür steht die Titelzeile »Holocaust reloaded«? Welche Rolle spielt Musik für Marisa? Welche Rolle spielt Musik bei den Zusammenkünften der Naziclique?
  • Wie beurteilt Ihr die Entscheidung des Regisseurs, für den Film Musik neu produzieren zu lassen und den Titel »Holocaust reloaded« zu verwenden? Diskutiert in der Gruppe, was aus Eurer Sicht dafür und was dagegen spricht. Bedenkt dabei, welche verschiedenen Personen davon in welcher Weise betroffen sein könnten.


Rasul

  • Beschreibt Rasul und die Bedingungen, unter denen er in Deutschland lebt. Erläutert seine Motive, nach Deutschland gekommen zu sein.
  • Erinnert Euch an die Situation im Einkaufsladen, in der Marisa Rasul nicht abkassieren will. Rasul und sein Bruder müssen statt Bargeld mit Gutscheinen zahlen. Informiert Euch über das Gutscheinsystem für Flüchtlinge. Was hat dies für Auswirkungen für die Betroffenen? An vielen Orten wurde das Gutscheinsystem als diskriminierend abgeschafft, wie ist es an Eurem Wohnort? Wie verhält sich Marisa? Wie verhält sich ihre Mutter ihr gegenüber und gegenüber der nächsten Kundin? Wie beurteilt Ihr diese Szene? Wie hätte diese Szene einen anderen Verlauf nehmen können? Welche Handlungsmöglichkeiten gab es?
  • Erinnert Euch an die Situation an der Badestelle. Was ist hier passiert? Wie würdet Ihr das Miteinander in der rechten Gruppe beschreiben? Was passiert, als Rasul und sein Bruder eintreffen? Was lässt sich über die anderen Gäste an der Badestelle sagen, wie verhalten Sie sich in der Situation? Was wäre wichtig gewesen, um Rasul und seinen Bruder zu schützen? Wie könnte man sich in solch einer Situation verhalten? Versetzt Euch in die verschiedenen Positionen.
  • Erinnert Euch an die Situation am Imbissstand. Welche Menschen versammeln sich hier und wie verhalten sie sich? Was lässt sich über das Leben in der Stadt im Allgemeinen sagen? Gibt es Personen, die sich mit der Neonazi-Clique kritisch auseinandersetzen? Wer könnte und wer müsste dies Eurer Meinung nach tun? Welche Atmosphäre wird hier beschrieben und wie stellt Ihr Euch die Stadt vor, in der Ihr leben wollt?


Rechercheaufgaben:

  • In den Medien werden rechtsextreme Gruppen häufig als reine Männerzusammenschlüsse dargestellt. Entgegen diesem Bild sind innerhalb der gesamten Szene Frauen aktiv beteiligt. Recherchiert im Internet, wie und wo Frauen in der rechten Szene aktiv sind und welche Organisationen rechter Frauen in Deutschland existieren: www.frauen-und-rechtsextremismus.de
  • Die rechte Szene verwendet eine Vielzahl an Symbolen, Codes und Erkennungszeichen, die ständig im Wandel sind und für Außenstehende auf den ersten Blick nicht eindeutig erkennbar. Recherchiert nach aktuellen rechten Symbolen und Erkennungszeichen: www.dasversteckspiel.de
  • Habt Ihr diese Zeichen in Eurer Umgebung schon mal gesehen? Tauscht Euch in der Gruppe über Erfahrungen mit rechten Jugendlichen in Eurer Stadt / Eurem Landkreis aus. Werdet aktiv! Entfernt gemeinsam Aufkleber mit rechten Parolen, überstreicht rechte Symbole und Parolen an Häuserwänden. Anregungen bekommt Ihr auf: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de
  • Vielerorts verteilen rechte Gruppen CDs mit Musik extrem rechter Bands kostenlos auf Schulhöfen. Ist eine solche Aktion an Eurer Schule schon einmal vorgekommen? Diskutiert, wie die gesamte Schule hier effektiv und langfristig handeln sollte. Holt Euch Anregungen und Erfahrungen von anderen Schulen: www.mut-gegen-rechte-gewalt.de



 

Arbeitsbogen hier herunterladen

 

Zum Film:

Pressemitteilung des Forschungsnetzwerkes Frauen und Rechtsextremismus im Hinblick auf einen Einsatz des Films "Kriegerin" in der pädagogischen Arbeit.

Karo Kalmbach und Julia Stegmann: Ein Film über Neonazis, nicht über deutsche Zustände: »Kriegerin«:
Anmerkungen zu dem »wichtigsten deutschen Film des Jahres«

Ergänzende Video-Dokumentation:

Der alltägliche Rassismus an den Supermarktkassen - Dokumentarfilm über das im Film auftauchende Gutscheinsystem für Geflüchtete