Wer Gewalt sät... Von Brandstiftern und Biedermännern. © »The truth lies in Rostock«

Dokumentation, BRD 1993, 43 min, Gert Monheim, WDR.

Zielgruppe: ab Klassenstufe 10

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Wer Gewalt sät… - Von Brandstiftern und Biedermännern. Die Pogrome von Rostock 1992

Themen:
Antisemitismus / Antiziganismus / "Ausländerfeindlichkeit" und "Fremdenfeindlichkeit" (Begriffskritik) / Einschränkung des Grundrechts auf Asyl / Rassismus / Vertragsarbeiter_innen in der DDR

 

Inhaltsangabe:
Die Dokumentation beleuchtet die Hintergründe des rassistischen Pogroms von Rostock-Lichtenhagen. Vom 22. bis zum 26. August 1992 wurde die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber_innen (ZAst) und das daneben liegende Wohnheim der vietnamesischen Vertragsarbeiter_innen von einem Mob aus Anwohner_innen und Neonazis angegriffen. Bis zu 5000 Menschen applaudierten, als Steine und Brandsätze flogen. Der Film arbeitet den Zusammenhang zwischen den Pogromen und den Kampagnen der CDU und FDP zur Abschaffung des Grundrechts auf Asyl heraus. Er rekonstruiert die Welle der rassistischen Angriffe und Brandanschläge und hinterfragt kritisch die Rolle der politisch Verantwortlichen und der Medien.

 

Was ist aus pädagogischer Sicht zu beachten?
Für diese Dokumentation bietet sich die Arbeit in Kleingruppen an, da der Film sehr komplex ist und ganz unterschiedliche Themen aufgreift. Die Auswertungsfragen sind daher thematisch gegliedert.

Empfehlung: Der Dokumentarfilm über das Leben und den Tod von Oury Jalloh erhielt 2008 den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis. Die DVD und ein umfangreiches Begleitheft mit vertiefenden Texten und Übungen ab Sekundarstufe 1 finden Sie unter: www.epiz-berlin.de/?MRB



Film: Wer Gewalt sät … Von Brandstiftern und Biedermännern


Arbeitsblatt 1

Auswertungsfragen:

Rostock

  • In dem Film wird ausführlich über die Pogrome 1991 in Rostock-Lichtenhagen berichtet. Fassen Sie zusammen, was dort geschehen ist.
  • In mehreren Interviews wird die Meinung vertreten, dass der Staat eine Mitverantwortung für die Situation hat. Nennen Sie Beispiele aus dem Film, welche diese Aussage stützen.
  • Seit den späten 1980er Jahren und mit der deutschen Vereinigung hat die Zahl rassistischer Übergriffe massiv zugenommen. Beschreiben Sie, welche Zusammenhänge dazu im Film genannt werden.
  • Erläutern Sie, wie Politiker_innen und Personen aus der Zivilgesellschaft mit den Opfern der Pogrome umgegangen sind. Von wem haben sie Unterstützung erhalten, wer hat sich raus gehalten?


Asyl

  • Die Pogrome in Deutschland Anfang der 1990er Jahre führten auf politischer Ebene zu einer Grundgesetzänderung. Recherchieren Sie, wie das Grundrecht auf Asyl vor 1991 aussah und welche Änderungen vorgenommen wurden.
  • Erläutern Sie, warum es ein Menschenrecht auf Asyl gibt. Recherchieren Sie auf den Websites bekannter Flüchtlings- oder Menschenrechtsorganisationen (z.B. Pro Asyl, Amnesty International).
  • Millionen von Menschen sind weltweit auf der Flucht. Nennen Sie Gründe, warum Menschen aus ihren Heimatländern fliehen und Asyl beantragen. Bereiten Sie eine kurze Rede (ca. 1-3 min) über die Bedeutung des Menschenrechts auf Asyl vor. Die Regeln: keine Pausen, keine Wiederholungen. Halten Sie die Rede vor der Klasse. Lassen Sie nach jeder Rede kurze Zeit für Kommentare. Wichtige Diskussionspunkte besprechen Sie abschließend, wenn alle Reden gehalten wurden.


Mitte der Gesellschaft

  • Der Regisseur hat dem Dokumentarfilm den Untertitel »… Von Brandstiftern und Biedermännern« gegeben. Diskutieren Sie, was damit gemeint sein könnte.
  • Einer der im Film interviewten Wissenschaftler beklagt im Zusammenhang mit den Pogromen den fahrlässigen Umgang mit Sprache in der Politik und in den Medien. Seiner Aussage nach werden ähnliche Parolen und Bilder verwendet wie im Nationalsozialismus. Er spricht von »Brand-Sätzen«. Überlegen Sie, ob Sie aktuell Sätze gelesen oder gehört haben, die ebenfalls »Brand-Sätze« sind. Untersuchen Sie, welche Wortwahl heute in Bezug auf Asylsuchende und Flüchtlinge in den Medien auftaucht.

 

 

Arbeitsbogen hier herunterladen

 

Interviews und Artikel zum Film:

Siegfried Jäger: BrandSätze. Rassismus im Alltag. Duisburg 1992.

Kien Nghi Ha (Hg.): Asiatische Deutsche. Vietnamesische Diaspora and Beyond. Berlin 2012.

Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma.

Amaro Drom e.V. Interkulturelle Jugendselbstorganisation von Roma und Nicht-Roma

20 Jahre Pogrom in Lichtenhagen: „Rostock ist ein Trauma“. Seit dem Pogrom von Rostock beschäftigt sich Kien Ngi Ha mit Rassismus. Der Politologe untersucht rassistische Gewalt und das Trauma der Vietnamesen in Deutschland. 

Thomas Prenzel (Hg.): 20 Jahre Rostock-Lichtenhagen. Kontext, Dimensionen und Folgen der rassistischen Gewalt. Rostocker Informationen zu Politik und Verwaltung Heft 32. 2012.

Miteinander e.V.: Impulse für eine Lebendige Demokratie. Lichtenhagen als Zäsur. Ein rassistisches Pogrom, das bis heute nachwirkt.