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GdF (Gemeinschaft deutscher Frauen)

Die „Gemeinschaft deutscher Frauen“ ist eine partei-unabhängige, aber NPD-nahe Frauenorganisation mit Sitz in Grevesmühlen, Mecklenburg-Vorpommern. Sie wurde 2001 von ehemaligen Mitgliedern des „Skingirl Freundeskreis Deutschland“ gegründet und ist damit die älteste rechtsextreme Frauenvereinigung Deutschlands.

Als Symbol verwendet die GDF das „Dreierschild“, eine Abwandlung der in der rechtsextremen Szene häufig verwendeten Triskele – dem sogenannten „Dreifuß“, der für ein „gesetzmäßiges Leben in Recht und Ordnung“ stehen soll.

Die GDF ist in sechs regionale Gruppen - Baden-Württemberg, Bayern, Berlin-Brandenburg, Mitteldeutschland, Niedersachsen & NRW sowie Norddeutschland – unterteilt. Nach eigenen Angaben hat die GDF einen „Weiterbildungscharakter“, dem sie sich mit Veranstaltungen und Diskussionen im Bereich Familie, Brauchtum, Gesundheit, Natur und Kultur widmet. Regionale und überregionale Treffen finden regelmäßig statt. Dabei liegt der Fokus auf der Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls der Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren, die – laut Einführungstext der Homepage - „die Liebe zum Vaterland“ verbindet. Durch „Weiterbildungen“ historisch-politischer Art soll überdies das national(istisch)e Identitäts- und Gemeinschaftsgefühl gefördert werden. Eine Auskunft über die genaue Anzahl der Mitglieder erteilt die GDF nicht.

Die GDF distanziert sich auf ihrem Internetauftritt zwar von dem stereotypen Bild der deutschen Ehe- und Hausfrau, versucht aber gleichzeitig, durch Projekte mit und von jungen Familien die Institution Ehe und den Stellenwert der Familie zu stärken. Auf ihrer Internetseite empfiehlt die GDF ein Buch der als homophob und anti-feministisch kritisierten Publizistin Gabriele Kuby.

Trotz vieler thematischer Überschneidungen mit der NPD-Organisation „Ring nationaler Frauen“ (RNF) wirbt die GDF mit Unabhängigkeit von Parteien. Im Gegensatz zum RNF, der gezielt Frauen zum Parteieintritt in die NPD animieren möchte, versteht sich die GDF als Organisation, die „Raum für Austausch unter gleichgesinnten Frauen“ bietet.

Zu prominenten Mitgliedern der Berliner GDF gehören Michaela Zanker und Stella Hähnel, die auch in anderen Organisationen und Initiativen der rechtsextremen Szene, beispielsweise dem RNF aktiv sind.

Die Gefahr besteht in dem vermeintlich harmlos-völkischen Auftritt der GDF, die durch Kontakte zur mittlerweile verbotenen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) und anderen nationalsozialistischen Vereinen eine Inkorporation der rechten Ideologie in alle Bereiche des Alltags erreichen, oder zumindest erleichtern kann.

Quelle: Alina Valjent: Gemeinschaft Deutscher Frauen: www.netz-gegen-nazis.de/category/lexikon/gemeinschaft-deutscher-frauen

 

 

Gebirgsjägertreffen Mittenwald

Im bayrischen Mittenwald findet jährlich zu Pfingsten eine Gedenkfeier statt, die durch den „Kameradschaftskreis der Gebirgstruppe e.V.“ organisiert wird und an die Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnert. Der Veranstaltung wird seit Jahren die Verherrlichung nationalsozialistischer Kriegsverbrechen vorgeworfen, weshalb sie stark umstritten ist.

Gebirgsjägertruppen gab es sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg. Sie sind bis heute Teil des deutschen Heeres, ausgebildet vor allem zum Kampf in gebirgigem Gelände und bei extremen Witterungsverhältnissen. Mit dem Versailler Vertrag 1919 wurden die Truppen nach dem Ersten Weltkrieg stark reduziert. 1938 wurden sie von den Nationalsozialisten wieder aufgestellt. Der bayrische Ort Mittenwald wurde Garnison und Ausbildungsstätte.
Die elf Gebirgsjägerdivisionen der Wehrmacht waren verantwortlich für 58 Massaker in verschiedenen Regionen. Im Kampf gegen Widerstandleistende war häufig die lokale Zivilbevölkerung betroffen: In mehreren Fällen wurden ganze Dörfer niedergebrannt und/oder die Bevölkerung teils vollständig ermordet. Beispielsweise in dem nordgriechischen Dorf Kommeno ermordete die 12. Kompanie des Gebirgsjäger-Regiments 98 aus Mittenwald 317 Zivilisten, davon 97 jünger als 15 Jahre und 13 im Säuglingsalter2 . In der NS-Propaganda wurden die Massaker als Erfolge beschrieben.

1953 wurde der „Kameradschaftskreis der Gebirgstruppe e.V.“ gegründet, u.a. von ehemaligen Wehrmachts- und SS-Soldaten3. Seit 1957 organisiert der Verein einmal im Jahr zu Pfingsten das Gebirgsjägertreffen in Mittenwald. Im Vordergrund steht hierbei eine unkritische Traditionspflege. Die Veranstaltung wird von Bundesregierung und Bundeswehr aktiv unterstützt. 2002 äußert der damalige bayrische Ministerpräsident und Mitglied der Gebirgsjäger Edmund Stoiber, dass er „natürlich besonders stolz auf diese spezifisch bayerische Truppe und ihre Leistungen in Vergangenheit und Gegenwart“4 sei.
Bei der Gedenkveranstaltung wird an die sogenannten „Kriegsopfer der zwei Weltkriege“ erinnert, wobei die Soldaten der Wehrmacht und die Opfer der deutschen und österreichischen Bevölkerung alleiniger Gegenstand des Interesses sind. Wer für die Kriege verantwortlich war, wird hierbei nicht thematisiert. Kritische Stimmen sprechen daher von einer Verschleierung und Verherrlichung der NS-Kriegsverbrechen im Allgemeinen und der Gebirgsjägertruppen im Besonderen.

Bis heute wurde in Deutschland nur ein Mitglied der Gebirgsjäger wegen der Beteiligung an Massakern im 2. Weltkrieg verurteilt. Anders in Italien, dort wurden zahlreiche Gebirgsjäger in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilte. Die Bundesrepublik weigert sich jedoch, diese an Italien auszuliefern5. Ebenso wenig ist die Bundesregierung den wiederholten Aufforderungen, die Veranstaltung zu unterbinden, die Unterstützung zu beenden oder sich mindestens deutlich zu distanzieren, bisher nachgekommen6.
Seit 2002 kam es immer wieder von Seiten verschiedener zivilgesellschaftlicher Akteure zu Gedenk-, Aufklärungs- und Protestveranstaltungen gegen die jährlichen Treffen.

Text von Gesine Lenkewitz

Quellen: Meyer, Hermann Frank(1999): Kommeno. Erzählende Rekonstruktion eines Wehrmachtsverbrechens in Griechenland, Romiosini, Köln.

Meyer, Hermann Frank (2008): Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg. Ch. Links Verlag, Berlin.

Frei, Norbert (2006): Transnationale Vergangenheitspolitik. Der Umgang mit deutschen Kriegsverbrechern in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Wallstein Verlag. Göttingen.

 

Weitere Texte:
Kampagnenseite: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Horrido! Schluss mit dem Gebirgsjägertreffen in Mittenwald. http://mittenwald.blogsport.de/about/

Die Proteste 2002 bis 2009: www.keine-ruhe.org/node/82

Gebirgsjägertreffen Mittenwald http://nadir.org/nadir/kampagnen/mittenwald/presse/Gebirgsjaeger-wollen-nicht-an-Kriegsverbrechen-erinnert-werden.html

 

 

Fußnote 2: Vgl. hierzu Meyer, Hermann Frank(1999).

Fußnote 3: Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Personen, die bei den Nürnberger Prozessen wegen NS-Kriegsverbrechen verurteilt worden sind, wie zum Beispiel Hubert Lanz.

Fußnote 4: Zit. nach ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 474 / 20.6.2003.

Fußnote 5: Vgl Frei, Norbert (2006).

Fußnote 6: Vgl. hierzu die wiederholte Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE (online verfügbar unter http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/052/1605296.pdf, letzter Zugriff 3. Juli 2013) sowie einen Offenen Brief verschiedener zivilgesellschaftlicher Akteure in Italien (online verfügbar unter www.neues-deutschland.de/artikel/170966.protest-gegen-das-brendten-ritual.html?sstr=Brendten|Ritual, letzter Zugriff 3. Juli 2013).

 

 

Gutscheinsystem für Flüchtlinge

Gutscheinsysteme stellen Flüchtlinge vor verschiedene Probleme: Oft können die Gutscheine nur in bestimmten, häufig teuren Läden eingelöst werden, Restbeträge werden nicht immer ausbezahlt, manche haben nur eine kurze Einlösedauer oder es gibt vorgeschriebene Zeiten für den Einkauf.

In Niedersachsen und Thüringen werden nahezu flächendeckend Gutscheine ausgegeben. Auch in Baden-Württemberg müssen Flüchtlinge an über 20 Orten mit den »Sozialscheinen« einkaufen gehen. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg werden ebenfalls an einigen Orten Gutscheinsysteme angewendet.

An der Kasse mit einem Gutschein zu bezahlen, ist herabwürdigend und stigmatisierend, denn die »Sozialscheine« ziehen die Blicke des Personals und der Umstehenden auf sich. Ein effektives Haushalten damit ist nahezu unmöglich. Die ohnehin niedrigen Leistungen, die Flüchtlinge nach dem AsylbLG erhalten, werden durch das Nicht-Auszahlen von Restbeträgen faktisch noch weiter herabgesetzt. In der Regel können mit den Gutscheinen auch nur bestimmte Produkte erworben werden. Alkohol und Zigaretten sowie sogenannte »Luxusgüter« sind zumeist ausgeschlossen. Nicht selten entscheidet eine dienstbeflissene Kassiererin nach prüfendem Blick auf die vor ihr liegenden Konsumartikel, dass dieses (Lippenstift) oder jenes (Schokolade) nicht unter Lebensmittel / Hygieneartikel falle und deshalb wieder vom Band genommen werden muss.

Jugendliche berichten darüber, dass sie aus dem gleichen Grund sogar Schwierigkeiten haben, Schulhefte zu kaufen. Obwohl auf den Kauf von Hygieneartikeln grundsätzlich ein Anspruch besteht, beklagen sich die Betroffenen darüber,dass es immer wieder Probleme beim Kauf von Zahnbürsten oder Klebstoff gibt. Fahrkarten, Telefonkarten, Briefmarken und Medikamente können oft nicht erstanden werden, weil die wenigen Läden, die Gutscheine akzeptieren, diese Artikel gar nicht führen.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Pro Asyl: www.proasyl.de/de

Auszug aus: Menschen wie Menschen Behandeln.Flüchtlinge in Deutschland. Für soziale Teilhabe und ein Leben in Würde.

Quelle: PRO ASYL (Hg.): Menschen wie Menschen Behandeln..Flüchtlinge in Deutschland. Für soziale Teilhabe uind ein Leben in Würde.. 2011. Online unter: http://www.proasyl.de/broschuere

 


Weitere Materialien:
Film: Dokumentation: „Der alltägliche Rassismus an den Supermarktkassen.“ (R: Filmpiraten 2012.25 min.) www.filmpiraten.org/2012/09/doku-der-alltagliche-rassismus-an-den-supermarktkassen

Aktionsbündnis Brandenburg: 12 gute Gründe für Bargeldauszahlung www.aktionsbuendnis-brandenburg.de/gute-gruende-gegen-gutscheine
Keine diskriminierenden Sondergesetze für Schutzsuchende. Gemeinsame Pressemitteilung der Landesflüchtlingsräte und PRO ASYL am 07. Februar 2013 www.fluechtlingsrat-berlin.de/print_neue_meldungen2.php?post_id=620

Jahresbericht des Flüchtlingsrats Berlin e.V. 2012 www.fluechtlingsinfo-berlin.de/fr/pdf/Jahresbericht2012.pdf

Solitausch – Bargeld statt Wertgutscheine www.refugeetentaction.net/index.php?option=com_content&view=article&id=133:solitausch-bargeld-statt-wertgutscheine&catid=16:news&Itemid=132&lang=de

Initiative gegen das Chipkartensystem. Institutionellen Rassismus angreifen – auf allen Ebenen, auch im Alltag! http://chipini.blogsport.de/