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Mädchenorchester von Auschwitz

Das Mädchenorchester von Auschwitz war ein Häftlingsorchester im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Auf Befehl der SS wurde es von der polnischen Musiklehrerin Zofia Czajkowska im Juni 1943 zusammengestellt.

„Die Mitglieder waren weibliche Häftlinge, die durch die Aufnahme ins Orchester vor der Vernichtung durch Arbeit und vor dem Tod in den Gaskammern bewahrt wurden. Dirigentin des Orchesters war von 1943 bis zum April 1944 Alma Rosé, die Nichte des Komponisten Gustav Mahler. Die brutale und musikliebende SS-Oberaufseherin Maria Mandl, seit Oktober 1942 inoffizielle Leiterin des Frauenlagers Auschwitz-Birkenau, war eine Befürworterin des Orchesters. Sie unterstützte die Errichtung einer besonderen Baracke (Lagerabschnitt B I b in unmittelbarer Nähe des Stacheldrahtzaunes) für die Musikerinnen. Der Block trug die Nummer 12, ab Herbst 1943 Nummer 7. In der Baracke gab es einen mit Holzdielen ausgelegten Boden und einen Ofen, um die Musikinstrumente vor Feuchtigkeit zu schützen. Josef Kramer, seit Mai 1944 Lagerkommandant, wollte vor allem, dass die Arbeitskommandos im Gleichschritt marschierten, begleitet vom Mädchenorchester. Auch wirkte ein Orchester gut, wenn SS-Größen das Lager besichtigten.

Die Musikerinnen mussten immer wieder auch Privatkonzerte geben. So ließ beispielsweise Josef Mengele, ein Liebhaber klassischer Musik, sich öfter vorspielen. Anita Lasker-Wallfisch, eine Cellistin, musste Mengele regelmäßig Schumanns Träumerei vortragen, da er dieses Stück so gerne hörte. An einem Sonntag musste das Orchester gemeinsam mit einem Liliputzirkus auftreten. Die Kleinwüchsigen vertrauten dem SS-Arzt, der mit ihnen scherzte und sie danach selbst in die Gaskammer führte. […]

Das Orchester spielte am Tor, wenn die Arbeitskolonnen aus- und einmarschierten. Im Sommer rückten die Arbeitskolonnen zwischen 5 und 6 Uhr aus und kamen gegen 20 Uhr zurück. Im Winter marschierten sie zwischen 7 und 8 Uhr aus und kamen gegen 17 Uhr zurück. […]
Immer wieder erkrankten viele Musikerinnen an Durchfall, Ödemen, Tuberkulose, Fleckfieber, Typhus, Diphtherie, Malaria etc. Wenn die Krankheit nicht sehr ansteckend war, wurde die Kranke nicht in den Häftlings-Krankenbau verlegt. Wurde doch eine Musikerin in den Krankenbau eingeliefert, blieb sie von den Selektionen der SS meist verschont.
Die Geschichte des Orchesters wurde in Romanen, Dokumentationen und Filmen sowie einer Oper verarbeitet.“

Text verfasst von Ulla Niehaus 2013.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4dchenorchester_von_Auschwitz

 

Weitere Texte:
Fania Fénelon: Das Mädchenorchester in Auschwitz, (Autobiografischer Roman) dtv München 2005. ISBN 978-3-423-13291-6 Leseprobe unter: www.dtv.de/_pdf/blickinsbuch/13291.pdf?download=true

 

 

Migration

Die Geschichte der Einwanderung in die Bundesrepublik Deutschland und in die DDR
Diese gliedert sich grob in vier Phasen:

1. 1945-1955:
In dieser Zeit wandern sogenannte „displaced persons“, also Menschen, die während des Krieges nach Deutschland verschleppt und dort festgehalten wurden – darunter ehemalige Kriegsgefangene, ZwangsarbeiterInnen sowie KZ-Häftlinge – teilweise in ihre Herkunftsländer oder andere Staaten zurück. Gleichzeitig fliehen viele Deutsche, die in den ehemaligen deutschen Ostgebieten gelebt haben nach Deutschland: aus Angst vor der Roten Armee, aufgrund der Ahndung ihrer während des Nationalsozialismus begangenen Verbrechen oder aufgrund der Umsiedlungspolitik in den neu oder wieder eigenständigen osteuropäischen Staaten (die sogenannten Vertriebenen). Viele Menschen ziehen aus der sowjetischen Zone in den Westen Deutschlands um. Den Zuwandernden wird zwar zunächst mit Abneigung begegnet. Ihre Integration erfolgt allerdings aus zwei Gründen relativ schnell: Zum einen, da sie als Deutsche die vollen staatsbürgerlichen Rechte genießen, zum anderen, weil sie als Arbeitskräfte für den wirtschaftlichen Aufbau gebraucht werden.

2. 1955 – 1973:
Ab Mitte der 50er Jahre setzt eine zunehmende Arbeitskräfteknappheit ein, die sich in der BRD mit dem Mauerbau 1961 verstärkt. In dieser Zeit werden Arbeitskräfte aus anderen Ländern von der Bundesrepublik angeworben. Zunächst aus Italien, dann aus Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und schließlich Jugoslawien. Die Einwandernden lassen sich aufgrund der hohen Arbeitslosenquoten in ihren Herkunftsländern, aber auch aus politischen Gründen anwerben.
In Spanien, Portugal und Griechenland regieren zu dieser Zeit faschistische Parteien. Frauen versuchen sich unter anderem durch einen Auslandsaufenthalt größere persönliche Freiräume zu schaffen. Die MigrantInnen werden zunächst in Wohnheimen untergebracht und arbeiten vor allem in der Industrie: Textil, Stahl, Frauen insbesondere in der Elektroindustrie. Viele werden vor allem an Arbeitsplätzen eingesetzt, an denen die Arbeit besonders „schmutzig“ (z. B. Müllabfuhr) oder hart (z. B. Gießerei) ist.
In der DDR werden seit 1962 Arbeitskräfte angeworben: zunächst aus Polen, später auch aus Ungarn, Algerien, Kuba, Vietnam, Mosambik, Angola und Nordkorea. Es werden keine Individualverträge, sondern Kontingentabkommen zwischen der DDR und den Entsendestaaten geschlossen. Diese Abkommen beinhalten, im Rahmen der sozialistischen Bruderhilfe, dass die Einwandernden nicht nur arbeiten, sondern in der DDR auch weiter qualifiziert werden sollen. Das funktioniert meist nicht, da die Weiterbildung nicht den Vorstellungen der MigrantInnen entspricht. Zum einen findet sie oft in Berufen statt, die ihnen in ihren Heimatländern nichts nutzen, zum anderen ist der Unterricht zusätzlich zu einem vollen Arbeitstag zu absolvieren. Wie in der BRD arbeiten die MigrantInnen an den unattraktivsten Arbeitsplätzen. Zudem werden sie geringer bezahlt, als ihre deutschen KollegInnen, weil sie entweder als Auszubildende gelten oder nur eine kurze Betriebszugehörigkeit haben. Frauen wird zu Beginn ihrer Arbeitsaufnahme in der DDR die Pille ausgehändigt,Schwangerschaften werden nicht geduldet: die Frauen müssen entweder abtreiben oder sie werden zurückgeschickt. Immer wieder gibt es Protestaktionen der migrantischen ArbeitnehmerInnen, wie zum Beispiel spontane Arbeitsniederlegungen mit der Forderung nach höherer Bezahlung, besseren Arbeitsbedingungen oder angemessenen Ausbildungsmöglichkeiten.

3. 1973 – 1989:
1973 wird in der BRD aufgrund wirtschaftlicher Stagnation der Anwerbestopp verhängt.
Damit versucht die Bundesregierung, die nicht länger benötigte Einwanderung nach Deutschland zu stoppen, was aber nicht gelingt: Viele MigrantInnen hatten bis dahin eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erworben. Vor die Wahl gestellt, entweder zu bleiben oder für immer zu gehen, beschließen sie zu bleiben und ihre Familien nachzuholen. In dieser Zeit steigt die Zahl der Migrantinnen durch den Familiennachzug stark an. In den 70er Jahren fliehen auch vermehrt Menschen nach Ost- und Westdeutschland, wie beispielsweise die so genannten „boat people“ vor den verheerenden Folgen des Vietnamkrieges.

4. 1989 – heute:
1990 kündigt die DDR alle bilateralen Verträge. Von einem Tag auf den anderen verlieren Hunderttausende ihre Arbeit und die daran gekoppelte Aufenthaltserlaubnis und werden abgeschoben. Nur mit Polen handelt die BRD neue Verträge über die Entsendung von Arbeitskräften aus. Viele der ArbeitsmigrantInnen versuchen trotzdem, in Deutschland zu bleiben. Sie beantragen Asyl oder bleiben illegal. Mit dem Ende des „Kalten Krieges“ und der Auflösung der sozialistischen Staaten setzt eine starke europäische Ost-West Migration ein. Diese wird bald durch neue Migrationspolitiken begrenzt, so wird beispielsweise die Einwanderung der SpätaussiedlerInnen kontingentiert, so, dass nur noch 200 000 pro Jahr einwandern dürfen. Da es kaum mehr Möglichkeiten gibt, nach Deutschland zu kommen, versuchen Menschen zunehmend über das Asylverfahren einzureisen. Diese Möglichkeit wird durch drastische Einschränkungen mit der Asylrechtsreform von 1993 unterbunden. Ein frauenspezifischer Weg zur Einreise ist die organisierte Heiratsmigration. Durch die rigide Migrationspolitik nimmt die Zahl der illegalisiert in Deutschland lebenden Menschen zu. Es findet eine sogenannte „neue Gastarbeit“ statt: WerkvertragsarbeitnehmerInnen, SaisonarbeiterInnen und weibliche Pflegekräfte aus Osteuropa werden – je nach Geschlecht - vor allem in der Baubranche, der Landwirtschaft und dem Pflegebereich eingesetzt. Arbeitslose Bauarbeiter aus Ostdeutschland werden von niederländischen Unternehmen angeworben .Gleichzeitig werden IT-SpezialistInnen mit der sog. „Greencard“ angeworben, während hochqualifizierte Deutsche häufig zum Arbeiten in die USA oder ins europäische Ausland auswandern. Zur Jahrtausendwende wird mit dem Bekenntnis, Deutschland sei ein Einwanderungsland, die eingeschränkte doppelte Staatsbürgerschaft eingeführt und ein Zuwanderungsgesetz entworfen. Dieses Gesetz polarisiert jedoch stark zwischen verschiedenen MigrantInnengruppen, indem es auf der einen Seite auf Integration, auf der anderen auf Ausschluss setzt.

Auszug aus: Kleine Migrationsgeschichte Deutschlands.

Quelle: Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit: http://baustein.dgb-bwt.de/PDF/C8-Migrationsgeschichte.pdf

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Bausteins zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit

Der Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit mit Vorschlägen und Materialien für ein antirassistisches Mainstreaming kann unter folgender Adresse online genutzt oder bestellt werden: www.baustein.dgb-bwt.de

 


Weitere Texte:
Migration BRD: Die freundliche Einwanderungsgesellschaft: www.kanak-attak.de/ka/text/freundlich.html
Kanak Attak ist der selbstgewählte Zusammenschluss verschiedener Leute über die Grenzen zugeschriebener, quasi mit in die Wiege gelegter "Identitäten" hinweg. Kanak Attak fragt nicht nach dem Paß oder nach der Herkunft, sondern wendet sich gegen die Frage nach dem Paß und der Herkunft. Unser kleinster gemeinsamer Nenner besteht darin, die Kanakisierung bestimmter Gruppen von Menschen durch rassistische Zuschreibungen mit allen ihren sozialen, rechtlichen und politischen Folgen anzugreifen.“ www.kanak-attak.de/ka/about.html


Migration in die DDR
Universitätsprojekt: Migration in die DDR (und BRD).Ungleiche Machtverhältnisse und Interdependenzen sichtbar machen: http://migrationddr.wordpress.com/about


Ausstellung über Vertragsarbeiter_innnen in der DDR: Ein neues Leben in der DDR: ehemalige Vertragsarbeiter erzählen ihre Geschichte: www.amadeu-antonio-stiftung.de/projektfoerderung/gefoerderte-projekte/arbeit-mit-betroffenen-rechter-gewalt/neues-leben-in-der-ddr


Handreichung: Lernen über Migration und Menschenrechte, 2013 http://www.migrationeducation.org/33.1.html?&rid=220&cHash=76e7ed27b49c80e6f2efbfa6ab11eb29